Jans Kolumne: Homöopathie unter Beschuss

von Jan Scholten
 

In letzter Zeit hat die Homöopathie unter Angriffen zu leiden, die sich Laufe der letzten Jahre mehr und mehr verstärkt haben. Wir fühlen uns als Homöopathen gekränkt und missverstanden, und wir fühlen uns zu Recht misshandelt, weil die Argumente unsachgemäß und falsch sind.

Die Angreifer behaupten, dass es keinen Beweis zur Erklärung der Homöopathie gebe, obwohl die meisten Meta-Analysen, die nach dem heutigen Standard der Beweisführung durchgeführt wurden, gezeigt haben, dass Homöopathie wirkt. Wir haben einen Gegenangriff gestartet, doch es ist unwahrscheinlich, dass wir Beachtung finden.

Wir können dieses Problem jedoch auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Vom homöopathischen Standpunkt aus gesehen geschieht nichts zufällig, und das, was wir als  Angriffe von außen wahrnehmen, entsteht auch als Manifestation eines gewisses Ungleichgewichts im Inneren, ebenso wie Bakterien nicht die Ursache einer Krankheit sind, sondern lediglich die Nebenwirkung eines internen Ungleichgewichts .

Worin besteht denn nun unser Ungleichgewicht? Es ähnelt dem, was mit uns selbst geschieht. Wir werden von anderen Wissenschaftlern angegriffen; aber ist das nicht genau das, was die Homöopathie ihrerseits Jahrhunderte lang getan hat? Es gab kaum Kontakte mit anderen Wissenschaften, da man sie für unfähig hielt, etwas Wertvolles zur Homöopathie beitragen zu können; ihre Informationen wurden als irrelevant angesehen; Botanik und Chemie galten als unnötig, und der Schulmedizin warf man vor, die Symptome nur zu unterdrücken. Solche Behandlungen, die nur der Linderung von Symptomen dienten, wurden oft „verboten“. Jetzt erleben wir, dass das, was wir ausgesendet haben, wieder zu uns zurückkehrt.
Dieses kämpferische Wesen ist auch innerhalb der Homöopathie selbst präsent. Es gab viele Kämpfe zwischen klassischer und klinischer Homöopathie. Der Komplex-Homöopathie hat man vorgeworfen, keine richtige Homöopathie zu sein; doch es wird oft vergessen, dass die Studien von David Reilly zu den besten „Beweisen“ der Wirksamkeit von Homöopathie gehören. Er konnte zeigen, dass Komplex-Mittel Heuschnupfen sehr gut heilten. Auch manchen Homöopathie-Schulen wurde vorgeworfen, keine „richtige“ Homöopathie zu vermitteln und von der wahren „Hahnemann“-Linie abzuweichen.

Die Argumente, die für den Angriff auf die Homöopathie benutzt werden, sind weitgehend theoretischer Natur: Es geht dabei nie inhaltlich um ein homöopathisches Arzneimittel. Nicht anerkannt wird die Wirksamkeit von Homöopathie, obwohl diese mehrfach in Meta-Analysen  nachgewiesen wurde. Dies ist natürlich ein großer wissenschaftliche Fehler, doch in der Naturwissenschaft kommen zuerst die Tatsachen, und die Theorie wird dann den Fakten angepasst.

Innerhalb der Homöopathie spielt sich offensichtlich Ähnliches ab. Neue Entwicklungen werden mit theoretischen Begründungen abgelehnt, beispielsweise, weil es so nicht im Organon stehe oder weil Hahnemann etwas anderes gesagt habe. Die Erfolge werden nicht anerkannt und die geheilten Fälle ignoriert. Einerseits wirft man der Schulmedizin mangelhafte Resultate vor, andererseits sind die Erfolge der homöopathischen Behandlung oft nicht spektakulär genug, aber sie werden mit theoretischer Argumentation begründet!

Ich glaube, die Angriffe sollten eher als Geschenk betrachtet werden, ein Geschenk, das uns zu einer intensiveren Analyse unserer eigenen Schwächen und unserer Gespaltenheit führt. Sie können uns helfen, unsere Therapieerfolge zu überprüfen und uns ermutigen, die Homöopathie immer mehr zu erweitern und zu verbessern, um die Behandlungsergebnisse noch zu steigern. Im Einklang mit unserer eigenen Theorie können wir solche Vorfälle als einen Weg zur Heilung nicht nur der homöopathischen Gemeinschaft, sondern auch der Wissenschaft und der Gesellschaft als Ganzes begreifen.

 

 




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