Im Abgrund:
Eine Arzneimittelprüfung von Acanthophala terminalis – Lederwanze

 
von Patricia Maher
 

Wanze
Manchmal gibt es Glücksfälle bei der Auswahl einer Prüfsubstanz. Das stattliche Tier hatte mich gewählt - es tauchte zweimal innerhalb von drei Tagen bei mir zu Hause auf, und so habe ich es geprüft.

Biologische Systematik 
Ordnung: Hemiptera (Wanzen, Zikaden, Grashüpfer, Blattläuse u.ä.)
Unterordnung: Heteroptera (Wanzen)
Familie: Coreoidea
Unterfamilie: Coreidae
Auch bekannt als Lederwanzen: leaf-footed Bug, squash-Bug, clown-Bug, tip-wilter (1)

Die Acanthocephala oder Lederwanzen (Blattfußwanzen) sind unverwechselbare, fast einen Zoll lange Insekten aus der Familie der Coreidae. Sie sind benannt nach den blattartigen Erweiterungen an den  Hinterbeinen. Alle Coreidae-Arten sind Pflanzenfresser. Einige Coreidae leben im Laub, aber die meisten Nymphen und erwachsenen Tiere leben oberirdisch an ihren Wirtspflanzen, wo sie sich von Samen, Früchten, Stängeln oder Blättern ernähren. Einige kommen auf einer erstaunlichen Vielfalt von Pflanzen vor, während sich andere auf eine einzige Wirtspflanze, wie Kürbis (Cucurbitaceae) beschränken. Im Herbst wandern sie gern in menschliche Behausungen ein.

Diese Insekten haben einen charakteristischen Rüssel, der wie eine Spritze geformt ist:
„Wie bei allen Wanzen sind die erwachsenen Tiere mit einem Rüssel ausgestattet, einem Injektionsnadel-ähnlichen Gerät, das unter dem Kopf angesiedelt ist, und mit dem sie Pflanzengewebe durchbohren und Flüssigkeit heraussaugen können. Sie saugen aber nicht nur einfach den Saft heraus, sie injizieren einen Gewebe auflösenden Speichel und saugen den dabei entstehenden Brei ab. Wanzen können keine feste Nahrung aufnehmen; durch den Einsatz dieser verflüssigenden Enzyme werden große Schäden an den Pflanzen angerichtet.“ (Hervorhebung vom Autor)

Kommentar
Das Mittel zeigt eine innere Spaltung. Die eine Seite spiegelt sich in der Bezeichnung „Clown-Wanze“ (Clown Bug) wider - die Seite des sorglosen Kindes – auf der anderen Seite liegt die Betonung mehr auf Tod und Drogen, und diese beiden Themen tauchten während der Prüfung immer wieder auf. Sogar die Prüfung selbst zerfiel in zwei Teile - die erste Verreibung und danach die zweite.

Der erste Seite war Clown-artig, bei der zweiten traten Themen wie AIDS, Horror, Impfungen und Tod auf. Die AIDS-Thematik hatte mit Afrika und Haiti zu tun. Dass Menschen gezwungen werden, sich impfen zu lassen, war ein wichtiges Diskussionsthema – wenn man bedenkt, dass dieses Insekt einen „Injektionsnadel-ähnlichen“Rüssel hat! Die C 12 Prüfung zeigte Magen-Darm-Beschwerden, wobei der Schwerpunkt auf der Verdauung lag. In den Prüfungs-Träumen manifestierten sich Bilder vom Sensenmann und von Zombies.

Clowns werden mit kindlichem Verhalten in Verbindung gebracht, und doch können sie auch eine ernste Seite haben. Und sie können auch eine Gauner-Seite haben.

In der Joruba-Religion Westafrikas und in anderen afrikanischen Religionen ist eine der wichtigsten Orishas (Gottheiten) Eshu / Elegba, der Hüter des Kreuzwegs, der Richter über Glück oder Unglück, Leben oder Tod. Eine doppelgesichtige Gottheit wie Hermes / Merkur gebietet über ein ähnliches Reich. Elegba wird einerseits oft als verspieltes Kind dargestellt, doch seine andere Seite ist Eshu, der Bote der Unterwelt bzw. der Tod selbst.

Clown
Als Clown-Wanze umfasst Acanthocephala beide Enden des Spektrums, von kindlicher Fröhlichkeit bis zum Sensenmann.

Wie einer der Prüfer nach der Prüfung sagte: „Die Blattfußwanze erinnert mich an den Gott Hermes, der Flügel an den Beinen trägt. Er ist als Gott der Kommunikation bekannt. Wir haben darüber gesprochen, inwieweit das Mittel etwas mit Beziehungen, Verbindungen usw. zu tun haben könnte... “

Prüfungs-Aufbau
Diese Prüfung wurde zweimal durchgeführt - ursprünglich wurde sie von mir und Carol Jones - ebenfalls Mitglied der „Great Lakes“ Prüfungs-Gemeinschaft“ - in Boston im November 2010 durchgeführt. Wir verrieben das Mittel bis zur C 3, um es zu stabilisieren. Ein Jahr später organisierte ich eine Great Lakes Prüfung der Substanz in Akron, Ohio. Die Prüfer waren drei Frauen von 35, 47 und 55 Jahren, eine Afro-Amerikanerin, eine iranisch-britische Teilnehmerin und eine Euro-Amerikanerin. Die Probandinnen wussten nicht, was für ein  Stoff geprüft wurde. Nach der C 3 und der C 6 nahmen die Prüfer eine Dosis des auf C 12 potenzierten Mittels und zeichneten 14 Tage lang ihre Symptome auf.
Die erste Verreibung wirkte leicht, verspielt und kindlich mit Gesang und einem Gefühl von Unbeschwertheit. Die Prüfer verhielten sich zu der Wanze, als sei sie ihr Kind. („Wie geht’s denn unserem kleinen Kerl?“) Sie hatten Schwierigkeiten mit der Kommunikation und mit Zahlen, ein „umgekehrtes“ Merkur-Gefühl mit Missverständnissen. Irgendwann traten Angst und Geräuschempfindlichkeit auf, und eine der Prüferinnen verirrte sich nach der Prüfung in den Straßen und kam in totale Panik. Beide hatten Magenbeschwerden – der einen war übel, die andere hatte Blähungen und rülpste ständig. Außerdem hatten sie Heißhunger.

Die zweite Verreibung - von der C 3 bis zu C 6 - wirkte sehr unterschiedlich.
Während dieser Verreibung gab es eine Diskussion über Keime, Ansteckung und Impfungen („Das Zeug, das in den Impfungen drin ist, ist schlimmer als die Krankheit selbst!“). Dann wurde über AIDS / HIV in Afrika gesprochen, und über die Menschen in Malawi oder Nigeria, die mit vorgehaltener Waffe gezwungen werden, sich impfen zu lassen. Das führte zum Gespräch über den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, der die vorherrschende westliche Ansicht über den Ursprung von AIDS übernommen hat, und Armut  als Cofaktor der AIDS-Epidemie betrachtet.
Die Prüfer sprachen über neue Buch von Jacques Pepin „Ursprung von AIDS“ (The Origins of AIDS), das gerade in dieser Woche erschienen war. In diesem Buch spürt der Epidemiologe Pepin den Wurzeln von AIDS in Afrika nach bis in die Kolonialzeit und ihrem Impfprogramm in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach einer sorgfältigen Analyse der europäischen Gesundheits-Aufzeichnungen aus der Kolonialzeit kommt Pepin zu dem Schluss, dass durch die Impfungen, bei denen Glasspritzen wiederholt benutzt wurden, tatsächlich HIV aus dem Blut der europäischen Kolonisten, das mit dem Simian-Virus infiziert war, auf die westafrikanische indigene Bevölkerung übertragen worden war. In der Prüfungs-Runde wurde auch über die Verbreitung von AIDS in Haiti gesprochen.
Die Prüferinnen sprachen auch über den bösen Blick und wie man sich vor dem bösen Blick schützen könne. Eine Prüfer malte ein Bild eines Auges.

Mentale / emotionale Themen

  • Impfung / Ansteckung / AIDS
  • Death / Zombies / Horror / die Toten
  • Angst einflößende Träume
  • Böser Blick / Magie / Übernatürliches
  • Verbindung / Trennung
  • Sich verirren
  • Melancholie / Sorglosigkeit

Körperlich

  • Sch...e, Stuhlgang, Blähungen, Hämorrhoiden
  • Drückender Schmerz, Druck

Die vollständige Prüfung kann auf der „Great Lakes Provings“-Website eingesehen werden: http://www.greatlakesprovings.com


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(1) Für diese englischen Bezeichnungen gibt es keine entsprechenden deutsche Übersetzung
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Literaturhinweise:
http://www.cirrusimage.com/bugs_leaf_footed_Acanthocephala.htm

http://bugguide.net/node/view/93

http://bugguide.net/node/view/16391

http://www.uark.edu/ua/arthmuse/acater.html

http://en.wikipedia.org/wiki/1-Hexanol

Kaufman Field Guide to Insects of North America. 2007. Houghton Mifflin Co., Boston.
Patricia Maher praktiziert als Homöopathin in Akron, Ohio.
Foto: Wikimedia Commons; Bruce Martin
Zeichnung: astrolabio.net; Public domain; www.astrolabio.comastrolabio.net
 

Kategorie: Prüfungen
Schlüsselwörter: Tod, AIDS, Impfungen, Zombies, Clown, Hämorrhoiden, Stuhlgang,
böser Blick, Eshu / Elegba, Gauner
Mittel: Acantophala terminalis

 




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