Freiwilligenarbeit in Swasiland und Botswana

 
von Jude Corfield
 

Mein Vater war gestorben und ich war 50 Jahre alt geworden. Es war Zeit, meinen Horizont zu erweitern und aus meinem komfortablen Leben auszusteigen. Ich hatte als Homöopath im schönen Salmon Arm, British Columbia gearbeitet, aber ich spürte, dass ich eine neue Herausforderung brauchte. Ich googelte „Homöopathie - Freiwilligenarbeit im Ausland“ und da gab es viele Möglichkeiten - so einfach war das! Ich machte mich auf nach Afrika.

Das Swaziland Homöopathie-Projekt war meine erste Arbeitsstelle als freiwilliger Helfer. Barbara Braun – die das Projekt organisiert - und Ruth, die ehrenamtliche Homöopathin, nahmen mich mit offenen Armen auf, und ich begrüßte Swaziland voller Begeisterung. Was für ein herrliches Land! Hier sind Auszüge aus meinen Briefen nach Hause:
 
Jetzt bin ich schon über eine Woche in Swaziland und es gefällt mir sehr gut! Es ist ein phantastisches Land mit einer atemberaubenden Landschaft und wunderbaren Menschen. Dieses Reich wird noch heute von einem König regiert, der 13 Frauen hat und noch in diesem Jahr ein weiteres Mal heiraten möchte! Es ist Winter hier (Juli) und die Vegetation ist sehr üppig mit tropischen Pflanzen und herrlichen Blumen.

Jeden Tag außer Sonntag bin ich mit Ruth zu den Beratungsstellen im Busch unterwegs - oft eine 2-stündige Autofahrt entfernt. Wir stellen unsere Tische und Stühle in einer alten Scheune oder in einem Stall auf, und die Menschen strömen herbei, um sich von uns beraten und behandeln zu lassen; oft sind es etwa 40, die geduldig warten, bis sie drankommen.
 
Es ist anstrengend - versuchen Sie mal, 20 neue Fälle an einem Tag aufzunehmen! Aber es lohnt sich, weil die Menschen so dankbar sind. Oft fangen alle an zu singen, während sie im Schatten sitzen und warten; es ist wirklich berührend. Ihre Geschichten sind so traurig und oft weinen sie. Die meisten haben viele Familienmitglieder durch Aids verloren und meistens sind sie hungrig und müssen viele Kinder versorgen.

Am Ende des Tages sind Ruth und ich völlig erschöpft, und wenn wir zurück zu unserem Basis-Haus kommen, das nur mit wenig Möbeln ausgestattet ist und keine Heizung hat, dann ist alles, was wir noch wollen, etwas zu Abend zu essen und zu schlafen.

Das Swaziland Homöopathie-Projekt betreibt auch eine Klinik innerhalb einer Schule für Kinder, die ihre Eltern durch Aids verloren haben. Viele dieser Kinder leben in „Kinder-geführten Haushalten“, wo etwa 10 Kinder in einem Haus leben und die älteren Kinder sich um die Jüngeren kümmern - es sind keine Erwachsenen mehr am Leben, die sich um sie kümmern könnten. HIV und Aids haben in diesem Land verheerend gewirkt, und natürlich hat es die Armen und Unterprivilegierten zuerst getroffen.
Während ich dort war, war das Swaziland Homöopathie-Projekt auch an einer Studie über den Einsatz von Homöopathie in der Mbambe-Klinik beteiligt. Dieses Krankenhaus war sehr heruntergekommen und schmutzig; die Patienten lagen in den Gängen – und zwar sowohl in als auch unter den Betten! (Als wir dort waren, liefen sogar einige Gefangene mit Fesseln umher.) Uns wurde ein Raum für unsere Arbeit zur Verfügung gestellt, und wir behandelten Patienten mit HIV und TB. Wenn Sie sich für die Ergebnisse des Forschungsprojekts interessieren, wenden Sie sich bitte an Barbara bjb@africaonline.co.sz.

Seit diesem Jahr bietet Barbara ein zweiwöchiges Freiwilligenhilfsprogramm für Studenten und Hochschulabsolventen als berufliche Weiterbildung (CPD) auf dem Gebiet der Homöopathie an. Praktizierende Homöopathen, die ihr Wissen über die Behandlung von Patienten in ländlichen Gebieten und Eingeborenen erweitern möchten, sind ebenfalls willkommen. Die Teilnehmer haben die einmalige Gelegenheit, die afrikanische Kultur hautnah zu erleben, historische Stätten zu besuchen und die herrliche Natur von Swasiland zu genießen. Es wird viel praktische klinische Erfahrung geboten - ca. 50 Fälle - und man kann  viel über die Behandlung von chronischen Krankheiten lernen.

Während des zweiten Teils meines Aufenthalts reiste ich von Swaziland nach Johannesburg und flog dann über die Kalahari-Wüste ... nach Nirgendwo. Wir landeten in Maun, Botswana. Maun ist eine Vieh-Stadt mit einer sandigen, staubigen Hauptstraße voller Menschen, in der sich wilde Esel, Rinder, Autos und Ziegen drängen. Man sieht Männer in Anzügen mit Handys neben einheimischen Frauen in langen viktorianischen Kleidern (wirklich!), die Schmuck in Form von Hörnern tragen. Es sind Harare-Stammesfrauen, und die Hörner stellen die Rinder dar, die sie besitzen. Die Stadt ist überwältigend in ihrem Chaos - aber ganz anders als Swaziland. Das Wetter ist warm, etwa 26 Grad Celsius tagsüber, aber nachts sehr kalt. Maun liegt im Norden von Botswana und hat eine der höchsten HIV und Aids-Quoten der Welt. Über 25% der Menschen sind mit dem Virus infiziert.

 

Das Maun-Homöopathie-Projekt betreibt eine Klinik in Maun und bietet eine kostenlose Behandlung für diejenigen, die HIV-positiv sind oder TB haben. Das Projekt wurde 2002 von Hilary Fairclough, einer englischen Homöopathin, initiiert. Es ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die in Großbritannien registriert ist und partnerschaftlich mit den lokalen Trägern zusammenarbeitet - mit Frauen gegen Vergewaltigung, Bana Ba Letsatsi (‚Sunshine Children’) und der lutherischen Kirche.
 

Sowohl das Maun-Projekt als auch das Projekt in Swasiland arbeiten für die homöopathische Verordnung mit der ‚Triad-Methode’. Es ist eine hervorragende Methode für den Umgang mit den komplexen Krankheitszuständen vieler unserer Patienten, von denen die meisten HIV-positiv sind und oft auch noch Tuberkulose haben. Die Triad-Methode funktioniert wie folgt:

- Ein Mittel für die akute Schicht
- Ein Mittel für die konstitutionelle / grundlegende Schicht
- Ein Mittel für die miasmatische Schicht (Nosode)

Für jede Schicht und jedes Mittel ist die Gesamtheit der charakteristischen Symptome der wichtigste Aspekt für die Mittelwahl. Nichts ist Routine und jedes Mittel wird individuell verordnet. Normalerweise wird das Mittel 4 Wochen lang einmal wöchentlich eingenommen, danach wartet der Patient eine Woche und kommt dann zum Follow-up. Ebenso wie in der Klinik in Maun können sich die Patienten auch in den Beratungsstellen behandeln lassen.

Hier noch mehr aus meinen Briefen:

Ich liebe die ehrenamtliche Arbeit in Maun. Letzte Woche fuhren wir hinaus in den Busch und sahen ungefähr eine Million wilder Esel und massenhaft Vieh, die alle die Straße entlang wanderten. Nach stundenlangem Fahren auf flachen, sandigen Pisten erreichten wir ein kleines Dorf, und dort warteten schon eine Menge Leute im Schatten unter den Bäumen geduldig auf uns. Wir richten uns in der örtlichen Kirche und davor ein. Wir waren zu viert, zwei Homöopathen und zwei Homöopathie-Studenten (die bei Bedarf auch als Dolmetscher tätig werden konnten). Wir behandelten etwa 40 Patienten, von den älteren Menschen bis zu den kleinen Kindern.

Wir hatten Sandwichs dabei, weil es in den Dörfern nirgends etwas zu essen oder kalte Getränke gibt. Man muss ziemlich autark sein - und eine starke Blase haben, weil es unterwegs auch keine  Toiletten gibt!

Das Maun-Projekt bietet auch Hausbesuche für seine Patienten an. Diese Besuche sind für die Menschen gedacht, die zu krank sind, um in die Klinik zu kommen - Sie können sich vorstellen, wie schlecht sie dran sind ... Einmal fuhr ich mit meinem Dolmetscher auf einem  sandigen Buschpfad zu einer Hütte, die nur aus einem Zimmer bestand, um einen Patienten zu besuchen. Er lag auf einer Matratze mit alten Decken darauf; man sagte mir, was er für Beschwerden hatte und wie er sich fühlte, und dann verordnete ich ihm ein Mittel. Es ist schwer mit anzusehen, wie sehr die Menschen leiden. Trotzdem tun wir, was wir können und hoffen das Beste. Hilary arbeitet bewundernswert hart, um das Projekt am laufen zu halten, und erzielt hervorragende Ergebnisse.

Das Maun-Projekt bildet auch die Menschen vor Ort zu Homöopathen aus. Besuchen Sie die Webseite um weitere Informationen zu erhalten: www.homeopathybotswana.com. Wenn Sie Interesse an unserer Freiwilligenarbeit hier haben, klicken Sie bitte ‚Mitarbeiten’ an.

Die Freiwilligenarbeit in Afrika war spannend, sie hat mich gefordert und gestärkt. Es haben sich Türen für mich geöffnet, und ich habe meine homöopathischen Kenntnisse und meine klinische Erfahrung erweitert. Wenn Sie es sich dort, wo Sie sind, zu bequem gemacht haben, ist es vielleicht Zeit für einen Wechsel ... - schauen Sie einfach bei Google nach! Oder spenden Sie bitte - beide Projekte brauchen finanzielle Unterstützung, um ihren erfolgreichen Einsatz  fortsetzen zu können.
 

Fotos: Wikimedia Commons
Fotos: Jude Corfield 
Kategorien: Allgemein
Stichwort: HIV, AIDS, Swasiland und Maun Homöopathie-Projekt, Triad-Methode



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