Einige Überlegungen zu Carbo vegetabilis

Zwei Fälle

von Deborah Collins

 

Frau M. war 37 Jahre alt, als sie wegen Verdauungsproblemen zur Beratung kam. Sie beklagte sich über die Auftreibung ihres Bauches; rumpelnde Därme "voll von Wind".

"Es fühlt sich an, als ob ich schwanger wäre, so angeschwollen ist mein Bauch. Es wird schlimmer, sobald ich irgendetwas Fetthaltiges oder Schweres esse. Ich kann keinen Kuchen essen, ganz zu schweigen von Gebratenem oder Frittiertem. Das Essen bleibt unverdaut im Magen und verursacht ein Druckgefühl. Meine Stühle sind hart, und ich habe Probleme sie raus zu bekommen."

"Seit der Pubertät habe ich Migräne, aber sie haben mehr mit meiner Verdauung zu tun als mit meiner Menstruation. Die Kopfschmerzen sitzen in meiner rechten Schläfe und im rechtem Auge, und mein Kopf fühlt sich dann sehr kalt an. Mein Hals und meine Schultern sind steif und verspannt, und mein Kopf fühlt sich nur gut an, wenn ich ihn an etwas anlehnen kann. Während der Kopfschmerzen bin ich überall kalt, schlimmer als sonst. Nicht mal eine elektrische Heizdecke kann mich dann aufwärmen. Normalerweise bin ich fröstelig, mit kalten Händen und Füßen, und bei kaltem, feuchten Wetter geht es mir schlechter. Doch trotz der Kälte brauche ich frische Luft, sonst bekomme ich Erstickungsgefühle. Im Auto mache ich immer die Lüftung an, und zuhause habe ich alle Fenster offen und ziehe viele Pullover an!" 

"Ich habe Hautprobleme: Risse, Schrunden und Ekzeme in den Ellbeugen und Knien seit meiner Kindheit."  

 
© Cornerstone /PIXELIO  

"Ich bin immer müde, und fühle mich ständig deprimiert. Ich weiß nicht, warum ich immer so unzufrieden bin; ich habe ein gutes Leben und eine nette Familie. Vor sechs Jahren sind wir umgezogen, und ich kann mich nicht an das neue Haus gewöhnen. Ich sehne mich immer noch nach dem Haus, in dem ich mich glücklich, fröhlich und behaglich fühlen konnte. Ich bin, was die Atmosphäre betrifft, sehr empfindlich, ich spüre Dinge wie Geister, die andere Leute nicht fühlen, und ich reagiere darauf.

Ich wäre gern mit vielen Leuten zusammen in einer freundlichen Umgebung und würde gern anderen Menschen helfen, aber bin ich so schüchtern und selbstunsicher. Immer frage ich mich ‚mache ich es richtig?' Ich habe Angst alles falsch zu machen."

"Ich war das letzte von sechs Kindern, und habe mich immer als Außenseiter in der Familie gefühlt. Meine Eltern waren Kirchenleute; das war sicher gut gemeint, aber ich hatte nie einen wirklich guten Kontakt zu  meiner Mutter. Sie tyrannisierte mich, ich fühlte mich immer von ihr kritisiert. Wir konnten nie über Probleme reden, und ich hatte das Gefühl, dass ich nie wirklich gehört wurde. Es war eine Befreiung, mein Zuhause zu verlassen; wie ein frischer Atemzug."

In der Vergangenheit hatte sie Calcium muriaticum und Grafites mit geringem Erfolg bekommen. Dies scheint ein klassischer Carbo vegetablis-Fall zu sein mit den Verdauungsbeschwerden, die sich durch Fett verschlimmern, der Kälte, dem Lufthunger, und der Müdigkeit. Im Laufe der nächsten Monate reagierte sie gut auf wiederholte Gaben.

    "Mein Kopfweh ist vollkommen verschwunden und mein Kopf fühlt sich viel klarer an als vorher, als sei er befreit worden. Meine Magen-Beschwerden haben sich völlig gegeben, ich brauche kein Norit mehr " (ein Kohlepräparat für die Verdauung, sie hatte vorher nicht erwähnt, dass sie es manchmal einnahm).

"Ich bin auch wärmer geworden; meine Hände und Füße sind nicht mehr so kalt. Die schwarze Wolke der Depression hat sich gehoben, ich mache nicht mehr so viel Aufhebens von den Dingen. Ich bin gerade darauf gekommen, anstatt zu faulenzen und am Morgen nicht aufstehen zu wollen. Ich bin irgendwie zufriedener, zu leben, wo ich bin und ich gehe mehr aus in Gesellschaft, schließe Freundschaften. Ich habe das Gefühl, dass ich dazu gehöre."

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© Markus /PIXELIO

Frau E., 35 Jahre alt, kam ebenfalls wegen Verdauungsproblemen; die  Diagnose lautete ‚Reizdarm-Syndrom’ (spastisches Kolon). Lycopodium hatte ein wenig geholfen, aber sie litt noch immer unter Verdauungsstörungen, besonders nach fetten Nahrungsmitteln, und an Kopfschmerzen sowie Energielosigkeit.

"Alles fühlt sich so schwer und stagnierend an, besonders vor und während der Periode; meine Gebärmutter fühlt sich so schwer an, ein ziehendes Gefühl wie bei einem Vorfall. Als ein Kind hatte ich häufig Bauchschmerzen und konnte nicht in die Schule gehen, und als ich dann meine Periode bekam, wurde es noch schlimmer. An diesen Tagen, während der Menses, werde ich müde und gereizt, und ich lasse es an den Kindern aus. Ich habe häufig Candidamykosen und überhaupt keine Lust auf Sex, obwohl ich Zärtlichkeiten eigentlich mag."

"Ich muss darauf achten, was ich esse, nicht zu viel fetthaltiges oder stark gewürztes Essen, sonst bin ich gebläht, verstopft, und ich verliere den Appetit. Es ist, als ob mein Magen aufhört zu arbeiten. Alles geht so langsam, meine Verdauung, mein Kreislauf, meine Konzentration, ich muss mich zu allem zwingen, und das erschöpft mich. Ich habe immer kalt, sogar bei  warmem Wetter. Sogar im Sommer trage ich Socken im Bett, und ich habe dicke Kleidung an, wenn andere kurze Röcke und Kleidchen tragen, aber geschlossene Fenster kann ich nicht ertragen. Der Mangel an frischer Luft macht mir Kopfschmerzen und ich fühle mich dumm im Kopf. Das passiert auch, wenn ich zu eng mit den Kindern zusammen bin: "Lasst mich in Ruhe!"

"Als Kind war ich schüchtern, unsicher, und hatte vor vielen Dingen Angst. Ich hatte Angst vor Feuer, vorm Ertrinken und vor Treibsand. Ich hatte Albträume, in denen ich verfolgt zu werden glaubte, und ich spürte Geister im Zimmer, was mich völlig panisch machte. Ich hatte nicht viel Kontakt zu meiner Mutter. Ich wollte schmusen, aber sie war nicht der Typ dafür. In der Pubertät suchte ich die Gemütlichkeit und Zuneigung, die ich zuhause nicht erhielt, anderswo, und meine Eltern betrachteten mich als schwierig. Ich reagiere noch immer gereizt auf meine Mutter, wir kommen nicht gut miteinander aus. Ich bin sehr abhängig von meinem Mann und habe das Gefühl, dass er mir bei allem helfen muss, weil ich nicht alleine klar komme. Wenn ich mich unwohl fühle, kommen alle meine alten Ängste wieder hervor, und ich fühle Dinge, die andere nicht fühlen. Ich bin empfindlich, was die Atmosphäre betrifft, und ich will nur zuhause sein, wo es sicher und behaglich ist." 

Dieser Fall sieht aus wie eine Kombination von Sepia (Menstruationsbeschwerden, Gebärmuttervorfall, Fett verschlimmert), und Calzium carbonicum (Ängste, Kälte, Müdigkeit, Verstopfung), aber das passendste Heilmittel ist Carbo vegetablis. Wie sich herausstellte, nahm auch sie Norit (Kohle-Tabletten) wegen ihrer Magen-Beschwerden. Nach und nach, mithilfe von wiederholten Gaben von Carbo vegetabilis, verbesserten sich ihre Stimmung und ihr energetischer Zustand. Die Verdauungsprobleme hörten auf, und ihre Menstruation war nicht länger eine Zeit der Müdigkeit und Frustration.

"Was für mich und für meinen Mann am schönsten ist, ist, dass ich mich nicht mehr so schwer und bedrückt fühle. Ich fühle mich unabhängiger, weniger besorgt und nicht mehr so bedürftig: als ob ich erwachsen würde!

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Die Kohlenstoff-Mittel gehören in die zweite Serie des Periodensystems, wo man noch mit Kindheitsproblemen befasst ist; es geht um das Erreichen eines Sicherheitsgefühles im eigenen Körper. In den beiden vorgestellten Fällen fühlten sich die Frauen noch in bestimmten Aspekten kindlich, mit ihren Ängsten, ihrer Unsicherheit und ihrer Abhängigkeit von einer stärkeren Person. Sie waren der Meinung, dass ihre Mütter ihnen nicht die Zuwendung gegeben hatten, die sie sich gewünscht hatten, so das sie sich willkommen hätten fühlen können. Es scheint, als ob sie nicht richtig inkarniert und deshalb viel mehr in Berührung mit der unsichtbaren Welt der Geister seien, als mit der sichtbaren Welt um sie herum. Carbo vegetabilis, das "Wiederbelebungsmittel", kann bestimmten Menschen helfen, besser ins Leben einzutreten, es kann sie erwärmen und sie weniger empfänglich für den Einfluss des Unsichtbaren machen.  




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