Die Aktinide: Die ultimative Herausforderung

von Deirdre Holmes
 

Pluto und Charon

Die Aktinide oder radioaktiven Elemente gehören zur 7. und letzten Serie des Periodensystems. Sie beziehen sich auf extreme Lebensphasen oder auf die Endphase des Lebens und die Leiden dieser Zeiten. In physikalischer Form haben diese Stoffe eine immense Zerstörungskraft, entweder indem sie schwere oder tödliche Krankheiten verursachen, infolge der Auswirkungen von Atomwaffen oder durch ihre Fähigkeit, Lebewesen durch genetische Veränderung zu pervertieren oder durch Schädigung des Erbguts zu zerstören.

Doch paradoxerweise sind sie außerdem oft die letzte Hoffnung für das Leben: in der Strahlentherapie zur Behandlung schwerer Krankheiten, in Bild gebenden Verfahren wie Röntgen und CT bei Krankheiten, die andernfalls unerkannt bleiben würden, und in der homöopathischen Anwendung. Diese Extreme von Leben und Tod gehören zu den Grundthemen der Aktinide.
Die Bereiche, für die Aktinide angewendet werden, sind nicht mehr physikalisch: ihre Aufgaben beziehen sich auf extreme emotionale bzw. psychische Leiden und das Streben nach geistigem Überleben angesichts schlechter Chancen und mit hohem Einsatz. Wenn der Kampf jedoch gewonnen ist, ist der Sieg groß. Jetzt gelingt es dem Patienten, sich aus Außenseitertum und Schattendasein zu befreien, seiner Gefangenschaft in einer aussichtslos oder unüberwindbar erscheinenden Situation zu entrinnen. Nicht selten gehen die Patienten mit größerer Widerstandsfähigkeit oder Kreativität aus einer Krise hervor, doch oft ist ihr Entkommen aus dem Leiden an sich schon erstaunlich genug.


Tschernobyl

Die Polarität zwischen Gesundheit und Krankheit ist das Merkmal der Aktinide in Übereinstimmung mit ihrer Stellung im Periodensystem; das gilt weniger für die niedrigen, sondern eher für die persönlichen Geschichten aus den höheren Serien. Die Aktinide haben Krankheiten, die scheinbar unbeeinflussbar sind und ihren Ursprung irgendwo weit ab in Raum und Zeit haben; der schlimme Anlass ist unauffindbar, die Protagonisten sind gesichtslos und unbekannt.

Ihre Geschichten können genetische Störungen beinhalten, die Auswirkungen von intergenerativem Missbrauch und interkultureller Gewalt. Sie leiden unter nuklearer, elektromagnetischer oder Umweltverschmutzung oder an Traumata, die tief in ihrem Unterbewusstsein verschüttet sind - aus diesem oder aus einem früheren Leben. Der Missbrauch kann im Zusammenhang mit einer Gemeinschaft oder einer Regierung stehen und nationale Grenzen überschreiten.

Die Betroffenen oder ihre Nachkommen werden ihren Peinigern vielleicht nie begegnen, wie bei den Opfern von Atomkriegen, Unfällen oder Tests (Hiroshima, Tschernobyl, Pazifik usw.). Es können Jahrzehnte vergehen, bis sich Fehlsteuerungen und Funktionsstörungen abzeichnen. Sie entwickeln sich nur langsam, wie im Fall von Strahlen induziertem Krebs oder psychischen Traumata als Folge von früherem Missbrauch. Die vollen Auswirkungen offenbaren sich oft erst bei späteren Generationen. Die Pathologie kann - von außen unsichtbar - tief im Körper verborgen sein (wie z.B. bei Knochenmarkserkrankungen) und  schleichend das Blut und das Immunsystem, die Kennzeichen von Lebenskraft und Abwehrstärke, befallen und schädigen.
Alle Aktinoide befinden sich in einem Zustand des schnellen oder langsamen Zerfalls (wie ihre Halbwertszeiten zeigen) und in der Transformation von einem Element in ein anderes. Diese Transformation wird in Kernreaktoren durch die Erzeugung von Plutonium (dem bekanntesten und mächtigsten der Aktinide) aus Uran künstlich ausgelöst. Plutonium wurde nach Pluto benannt, dem letzten damals im Sonnensystem bekannten  Planeten. (Interessanterweise lautete ein anderer Name, der damals für Plutonium vorgeschlagen wurde, Ultimium – „das ultimative, letzte Element“).
Plutonium befindet sich im Stadium 8, das mit Kampf und Machtausübung zu tun hat und die die Geschichte der Aktinide sehr gut veranschaulicht. In der römischen und der griechischen Mythologie war Pluto der Gott der Unterwelt, der Toten und des Reichtums. Er war ein allmächtiger, schwarz gekleideter Autokrat, gnadenlos und eifersüchtig, getrennt von den anderen Göttern. Sein Reich war ein kaltes, dunkles, schattiges, unterirdisches Reich, die Heimat der Toten, die alle Rechte und alle persönliche Macht aufgeben mussten, als sie die Schwelle überschritten. Er regierte in seiner Welt unumschränkt und konnte nicht besänftigt oder bestochen werden.

Pluto

Er verliebte sich in seine Nichte Persephone, die Tochter der Ceres(1), und trotz ihrer Gegenwehr entführte er sie gewaltsam und zwang sie, einen Teil des Jahres mit ihm in der Unterwelt, dem Land der Schatten, zu leben. Durch diesen Verlust für die Welt entstand der Winter, wo alles Leben aufzuhören scheint. Persephones Rückkehr in die Welt am Ende des Winters signalisiert den Frühling, wo die Natur erwacht und das Leben von neuem beginnt. Durch Plutos List ist Persephone jedoch dazu verdammt, jedes Jahr am Ende des Herbstes in die Unterwelt zurückzukehren, und so wiederholt sich der Kreislauf endlos.

Pluto ist auch als Hades, „der Unsichtbare“, bekannt. Wegen der weitläufigen unterirdischen Mineralienlager und Edelmetallminen, die auch die Heimat der Aktinide sind, gilt er auch als Gott des Reichtums.

Diese Geschichte beschreibt in starken Bildern die Themen der Aktiniden: Missbrauch von Macht und Stellung, Verlust, Zerstörung, unmoralisches Verhalten, tief greifende Veränderung, Unerbittlichkeit, Grausamkeit, Tod und Grenzüberschreitungen sowohl moralisch als auch physisch. Es gibt auch Machtlosigkeit, aber die Rückkehr zur Macht des  Lebens wird zurück gewonnen. Wir erleben den Konflikt zwischen Licht und Dunkelheit, Heiligkeit und Profanität. Ein skrupelloses egoistisches Ego, das aus niederen Motiven handelt und verheerenden Schaden mit weitreichenden und unabsehbaren Folgen für viele andere anrichtet. Es ist die Aufgabe der Aktinide, ihre Macht aus höheren selbstlosen Motiven zum Wohl aller Menschen auszuüben und die Herrschaft über ihre Schattenseiten zu gewinnen.

Es ist kein Zufall, dass die Entdeckung der Aktinide und ihrer Nutzung mit der Entwicklung der modernen Psychotherapie zusammen fällt, in der es darum geht, aus dem Schatten der Unbewusstheit zu Selbsterkenntnis  und Selbstbewusstsein zu gelangen. Die Macht eines unbewussten Schattens kann eine äußerst destruktive Wirkung entfalten, bis er durch das Licht des Bewusstseins entmachtet wird. Oft haben Aktiniden-Patienten entweder mit der Finsternis in ihrem eigenen Unbewussten zu kämpfen oder mit einem Trauma, das ihnen durch die unbewussten Handlungen eines anderen Menschen zuteil wurde. Patienten beschreiben manchmal ein Gefühl von ungeheurer Belastung, von Verantwortung oder Karma, die „Sünden ihrer Väter“ und andere Themen, die sich über Generationen erstrecken. Auch die Lanthanide kennen diesen Kampf und den Wunsch, ihr Bewusstsein weiter zu entwickeln, aber er ist weniger intensiv und ihr Selbstwertgefühl ist eher ambivalent, weniger erzwungen oder übertrieben. Für die Aktinide ist die Befreiung von den Auswirkungen dieser Unterdrückung ein harter Kampf - doch diese Befreiung lohnt sich! Denn der Zugewinn an Selbsterkenntnis, persönlicher Entwicklung, und der Fähigkeit, anderen zu helfen, ist immens.

Auch das Thema Isolation spielt eine Rolle, wobei diese nicht unbedingt freiwillig gewählt, sondern bei manchen Patienten durch eine Krankheit, einen totalen Zusammenbruch oder eine große Verletzlichkeit erzwungen wurde. Der Patient zieht sich zurück und fühlt sich in der Welt nicht richtig wohl. Auch bei einem gesunden Aktiniden kann zeitweise ein Rückzug, eine Auszeit oder eine spirituelle Klausur erforderlich sein, um sein persönliches Gleichgewicht und seinen inneren Frieden aufrecht zu erhalten. Sie müssen sich nicht vollkommen von ihrer Umgebung zurückziehen, um sich zu heilen oder sich zu finden.

Aktinide sind fragile, flüchtige Elemente, die sich in einem Zustand des Übergangs und Verfalls befinden. Sie neigen dazu, sich bei Kontakt mit der Luft spontan zu entzünden. Dies beschreibt den fragilen, instabilen, leicht entflammbaren Patienten, dessen Leben sich ständig in einem Zustand von Instabilität, Chaos und drohender Desintegration befindet.

Ihre Energie kann mit den Energiequellen oder Stromanschlüssen um sie herum kommunizieren und elektronische Geräte zum Absturz bringen, Glühbirnen zerspringen und Glas zerbrechen lassen.
Die Aktinide als Gruppe können Beziehungen zu Edelsteinmitteln, Lanthaniden, der Gold-Serie, der Familie der Vögel, zu Anacardium und zur AIDS-Nosode haben.

Ihre Krankheiten sind extrem und mit einem enormen Verlust von Leistung, Funktion und Freiheit verbunden. Aktiniden-Patienten fühlen sich, als ob sie in einer Wüste lebten oder am Rande ihrer Existenz stünden. Sie haben das Gefühl, nicht von dieser Welt zu sein, irgendwo zwischen Leben und Tod zu stehen, wo sie sich auch tatsächlich befinden. Oft wirken sie wie durchscheinend oder haben etwas Ätherisches an sich, was gegen das Lebensende hin oder bei Menschen mit hellseherischen oder medialen Fähigkeiten nicht ungewöhnlich ist. Für sie ist der Schleier zwischen dieser Welt und der anderen dünn, die Grenzen verschwimmen, und das Unsichtbare und Verborgene wird sichtbar. Die Geisteswelt kann für sie realer sein als der physische Plan, den sie bewohnen, und sie müssen kämpfen, um sich vollständig zu inkarnieren. Dies sind auch die Arzneimittel für Menschen mit Sehergaben und Menschen, die Energie bewegen oder Fernheilungen durchführen können. Sie verstehen ihre Arbeit als die Begleichung irgendeiner Schuld und können im geheilten Zustand eine enorme Hingabe entwickeln, um anderen zu helfen. Ihre Aufgabe besteht darin, in dieser Welt leben zu lernen, sich zu verwandeln und zu regenerieren.


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(1) römische Göttin des Ackerbaus, der Fruchtbarkeit und der Ehe
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Fotos: Wikipedia
Pluto und Charon, NASA
Bild in HDR-Technik des Sarkophags in der Tschernobyl-Zone, Piotr Andryszczak
Pluto - Hades Galleria e Museo Estense, Modena, Italien; Agostino Carracci

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Kategorien: Allgemein
Stichwort: Aktiniden

 




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