Actinide: die versteckte Kamera und der zerbrochene Spiegel

 

von Margriet Plouvier-Suijs

 

Uranium atom

In der folgenden Arbeit beschreibe ich die Uran-Serie als Arzneimittel-Gruppe und erkläre die mögliche Ätiologie für den Bedarf an diesen Mitteln. Dies ist ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist und wir werden die Hilfe vieler Homöopathen brauchen, um das Bild zu vervollständigen.

Die Actinide gehören zur 7. Serie des Periodensystems. In seinem Buch „Homöopathie und die Elemente“, verwendet Jan Scholten den Begriff „Uran-Serie“ zur Beschreibung dieser Elemente.

 

Die Themen der Serien nach Jan Scholten sind:

Wasserstoff-Serie: Sein, Fötus, Raum
Kohlenstoff-Serie: Ich, Kind, Körper
Silizium-Serie: Freund, Familie, Teenager
Eisen-Serie: Arbeiter, Erwachsener, Dorf
Silber-Serie: Erfinder, Künstler, mittleres Alter, Stadt
Gold-Serie: Führer, reifes Alter, Land / Welt

Schlüsselwörter für die Uran-Serie:

  • Altruismus
  • Kommunikation, zuhören
  • Weisheit, (Selbst-) Reflexion
  • Beobachtung, Wahrnehmung
  • Übersicht, Transparenz
  • Empfindsamkeit, Sympathie, Mitgefühl
  • Vertrauen
  • Universelle Wahrheiten
  • Alter, Großeltern
  • Archetyp: der Zeuge, der Joker, der Hofnarr, der Clown, der Prophet.

Frederic de Klerk
& Nelson Mandela (v.l.n.r.)

Altruismus:

Diese Eigenschaft erkennen wir bei Menschen wie Mutter Theresa: noch im  hohen Alter sorgte sie für diejenigen, die von der übrigen Welt in ihrer Hilfsbedürftigkeit ignoriert werden. Nelson Mandela ist der Mann, der alles gegeben hat, um das System in Südafrika zu ändern. Obwohl er lange Jahre im Gefängnis war und viel gelitten hat, blieb er bei seiner edlen Botschaft für die Welt und setzte seine ganze Energie für den Altruismus ein: man kann nur gut leben, indem man gibt.

Kommunikation:

Sie können sowohl verbal als auch non-verbal sehr gut kommunizieren. Dieser Aspekt ist auch bei Kindern zu erkennen. Ihre Sprache scheint ihrem Alter nicht angemessen zu sein, hier sind sie ihrem Alter weit voraus. Was immer sie sagen, sie drücken es sehr genau aus. Zum Beispiel wurde ein fünfjähriges Mädchen, nachdem sie in ihr Zimmer geschickt worden war, wütend und sagte: "Gut,  ich gehe jetzt in mein Zimmer und ich komme nie wieder heraus, weder zum essen noch zum trinken."

In ihrem Buch "Portraits homöopathischer Arzneimittel" beschreibt Catherine Coulter die Sprache der Menschen, die Lachesis brauchen und nennt als Beispiel ein Kind, das sich sehr scharf und kritisch ausdrückt. Die Kommunikation des Lachesis-Kindes mag zwar der des oben beschriebenen Kindes ähneln, doch im Gegensatz zu Lachesis gibt es bei den Actiniden kein Konkurrenzverhalten.

Weisheit, Intuition:

Sie sind klug, aber nicht im Sinne von „clever"; sie besitzen eine Weisheit, die von Einsicht zeugt. Der dazu gehörige Sinn ist die Intuition. Sie sind hellsichtig und manchmal spüren sie einfach, was los ist. Sie wissen, wann ihre Intuition von Emotionen gefärbt ist und sie kennen die Wahrheit.

Beobachtung, Wahrnehmung:

Sie sehen durch die Menschen und ihre Handlungen hindurch. Sie sind in den verschiedensten Kulturen zuhause und sind selten überrascht von dem, was geschieht. Sie können sich jede Lebenssituation vorstellen, selbst die unglaublichste. Ihr Lebensziel ist zu versuchen, im Frieden mit den anderen zu sein. Im Lauf des Lebens spielen wir verschiedene Rollen: Opfer, Schauspieler, Ankläger, Richter, Verteidiger. Wir sind dazu verurteilt, es ist unser Schicksal und am Ende müssen wir bereuen. Die Aktiniden-Menschen wissen darum und beobachten zwar alles, verurteilen aber andere nicht.

Übersicht, Transparenz:

Sie durchschauen die Dinge, als ob alles transparent sei. Sie verstehen augenblicklich, was los ist. Sie filtern ihre Wahrnehmungen nicht. Die Dinge auf eine solche Art zu betrachten ist wie Fotografieren mit einer versteckten Kamera. Alte Menschen und kleine Kinder beobachten die Welt, die sie umgibt, auf diese Weise. Die Ähnlichkeit zwischen älteren Menschen und Kindern zeigt sich darin, dass sie nicht auf die Welt reagieren, sondern sie nur beobachten; sie lassen sich nicht durch Gefühle ablenken, sie sind objektiv und beobachten einfach. Ihre Art der Beobachtung ist unverfälscht und sachlich.


 

Alter:

Das Alter als Lebensphase gehört zu dieser Serie. Bei alten Menschen kommt es vor, dass sie sich innerlich zurückziehen, obwohl sie körperlich anwesend sind. Sie greifen nicht ein.

Körperliche Beschwerden:

Krebs, Knochenmarkserkrankungen, Leukämie. Angeborene Fehlbildungen, genetische Abweichungen.

Die versteckte Kamera: Lanthanide und Actinide

Früher waren die Lanthanide in der Homöopathie unbekannt. Sie wurden tatsächlich erst von Jan Scholten als homöopathische Mittel entdeckt. Im Boericke findet sich nur ein einziges Mittel aus der Gruppe der Lanthanide: Cerium Oxalicum.

In seinem Buch "Geheime Lanthanide" erklärt Jan Scholten das Hauptthema der Lanthanide, die Autonomie. Weitere Themen sind: Sinnsuche, in die Tiefe gehen, (Selbst-)Reflexion. Zu diesen Themen möchte ich noch die Fähigkeit zum analytischen Denken hinzuzufügen.

Menschen, die Aktinide brauchen, haben es nicht nötig zu analysieren. Alles, was sie beobachten ist für sie transparent, sie wissen es einfach. Einsicht und Überblick entstehen sozusagen gleichzeitig. Aus diesem Grund vergleiche ich diese Art der Beobachtung mit einer versteckten Kamera: sie ist objektiv und unbestechlich.
Wir lernen diese Qualität der Beobachtung in unserem Beruf als Therapeuten. Hahnemann betrachtete die unbestechliche Beobachtung als unerlässlich für den Beruf eines Homöopathen. Diese Gabe brauchen wir zwar in unserem Beruf - im täglichen Leben kann sie jedoch zur Quelle großer Probleme werden. Die sachliche Beobachtung der Art, wie die Menschen miteinander umgehen, kann zu inneren Konflikten führen, weil sie ein Gefühl von Verantwortung schafft. Immer wieder stellt sich die Frage: „Was soll ich mit der Einsicht, dem Verständnis und dem Wissen anfangen? Wenn ich alle Tricks und Spielchen im menschlichen Verhalten durchschaue - wie soll ich reagieren?“ Der einzige Weg, mit dieser Eigenschaft umzugehen ist, Mitgefühl zu entwickeln.

Der zerbrochene Spiegel:

Bei Kindern wird das Bild der Aktinide besonders deutlich. Gewöhnlich gibt es einen ursächlichen Moment in ihrem Leben. Ich nenne diesen Augenblick: „den Spiegel zerbrechen“.

Bald nach der Geburt sucht das Baby Blickkontakt mit einem der Eltern und gibt Zeichen des wieder Erkennens. Von diesem ersten Blickkontakt an stellt sich beim Baby eine Art von 'Mimikry'-Verhalten ein; die Eltern und das Baby spiegeln sich ineinander. Zunächst identifiziert sich das Kind über diese Spiegelung. Im Alter von 9 Monaten ist das Kind in der Lage, Gesichter zu unterscheiden und seine Sympathien zu zeigen; dies ist die Zeit des „Fremdelns“. Das Kind entwickelt die Fähigkeit, sein Lieblings-Gesicht zu erinnern und gibt ihm einen Namen: „Mama“.

Durch den Einsatz seines Gedächtnisses kann das Kind jetzt mehr als ein Gesicht gleichzeitig erkennen: Mama und Papa. Dies ist die Erkenntnis des Dreiecks: Vater, Mutter und Kind. Bis dahin erlebte sich das Kind als Einheit mit der Mutter, und in dieser Einheit war die Kommunikation nonverbal. Wenn dem Kind die Dreieckskonstellation bewusst wird, beginnt es zu sprechen.

Sobald ihm die Dreieckskonstellation bewusst geworden ist, erkennt das Kind seine eigene Individualität. Im Alter von drei Jahren kann das Kind sich selbst mit dem Wort „Ich“ benennen. Im selben Alter ist das Milchgebiss vollständig, die Fontanelle ist geschlossen, das Kind ist in der Lage zu hüpfen (auf dem Boden), es kann „ich“ und „ich will“ und „ich will nicht“ sagen.

Im Laufe der ersten Jahre lernt das Kind allein durch Nachahmung. In diesem Spiegel erkennt es sich. Wenn jedoch in diesen frühen Jahren ein dramatisches Ereignis eintritt und die Eltern mit der Situation überfordert sind, kann der Spiegel zerbrechen. Von diesem Moment an ahmt das Kind die Eltern nicht mehr nach. Jetzt kann eine Opium- oder Aconit-‚Schicht’ (oder ein anderes Mittel) entstehen und die frühere Offenheit überdecken.

Ätiologie der Aktinide:

Wenn das passende Mittel ein Aktinid ist, geschieht im Moment des dramatischen Ereignisses etwas anderes. Lassen Sie uns den Augenblick des ersten Blickkontakts zwischen Mutter und Kind betrachten, den Moment des Erkennens.

Wir können jemanden, den wir in einem früheren Leben gekannt haben, wieder  erkennen. Wenn wir als menschliche Wesen wieder geboren werden, ist es möglich, dass die Mutter das neugeborene Kind erkennt und umgekehrt. Manchmal reinkarniert sich eine alte Seele. Im Augenblick eines dramatischen Ereignisses, wenn die Situation eskaliert und die Eltern nicht mehr in der Lage sind, damit umzugehen, übernimmt der reinkarnierte Persönlichkeitsanteil des Kindes die Führung. Der Persönlichkeitsanteil, der durch Nachahmung anderer lernt - der Baby-Instinkt - , verschwindet. Von da an erwacht die Identität des „weisen Alten“ in dem Kind. Dieser „weise Alte“ hilft den Eltern, wieder zur Normalität zurück zu finden; möglicherweise bleibt das Kind jedoch in diesem Zustand verhaftet.

Dies wird sichtbar im sozialen Verhalten und in der Sprache des Kindes. So werden neue Wörter von ihm / ihr sofort im richtigen Kontext verwendet. Zum Beispiel sagte eine Mutter zu ihrem 2-jährigen Töchterchen: „Spiel dich nicht so auf!“ und das kleine Mädchen antwortete: „Nein, bin keine Schauspielerin!“

Der Nachteil für ein Kind in diesem Zustand ist, dass seine Kindlichkeit verloren geht - und auch für die Mutter kann es unangenehm sein, einen ‚weisen alten Mann’ auf dem Schoß zu haben! Die Verordnung eines passenden Aktiniden kann dem Kind helfen, wieder zu einem kindgerechten Verhalten zurück zu finden.

In den Krankengeschichten von Erwachsenen, die Aktinide brauchten, habe ich dieses Kindheitstrauma und die Problematik des Aufwachsens in einem solchen Zustand erlebt. Als Säugling oder Kleinkind haben sie den Kontakt mit ihrem inneren Kind verloren. Sie haben nie geübt, sich zu streiten oder für sich selbst einzustehen, weil der „weise alte Mann“ in ihnen so ein kindisches Verhalten nicht erlaubt. Bei Erwachsenen erweckt die richtige Anwendung eines Aktiniden das innere Kind zu neuem Leben. Von da an entwickelt sich eine zunehmende Widerstandsfähigkeit, ähnlich der in der frühen Kindheit.

Fallbeispiel

Eine 37-jährige Frau kommt mit Lichen Sklerosus(1). Es begann mit einem weißen Fleck auf ihrer Klitoris nach der Einnahme von Antibiotika wegen einer Endometritis(2), die sie sich durch das Tragen einer Spirale zugezogen hatte. Der Fleck juckte und schilferte ab und breitete sich schließlich über die Schamlippen aus. Sie benutzt eine Kortison-Salbe, die der Dermatologe ihr verschrieben hat, aber diese hilft nicht richtig.

Sie hat drei Kinder geboren. Das erste Kind starb einen Tag nach der Geburt, die nach 28 Wochen erfolgt war; sie hat immer noch Kontakt zu diesem Kind. Sie tut viel für andere: sie hilft einer Mutter, ihr behindertes Kind, das blind ist und unter einer infantilen Zerebralparese leidet, zu betreuen, eine Rolle, die viel Feingefühl von der Pflegeperson erfordert. Sie arbeitet gern. Das Gefühl, nützlich zu sein, bedeutet ihr viel und sie fühlt sich schuldig, wenn sie nichts zu tun hat. Viele Leute bitten sie um Hilfe und fast immer hört sie ihnen zu und kümmert sich um sie. Ihr ist es wichtiger, für andere da zu sein, als zu Hause herum zu pusseln. Sie ist ernst und nachdenklich. Obwohl sie eine positive Einstellung hat, zweifelt sie doch oft ihre Aussagen an und grübelt immer wieder über die Fragen, die ihr gestellt wurden und die Antworten, die sie gegeben hat, nach.

Analyse:

In der Rubrik „Haut, Narbe weiß“ finden wir drei Mittel: Kalium bichromicum, Radium bromatum und Syphilinum. Ich wählte ein Aktinid, weil sie sehr sensibel in ihrer Kommunikation ist. Stadium 2 (Radium) spiegelt sich in ihrer Vorsicht in Bezug auf ihre Aussagen und ihre anschließenden Zweifel wider. Bromatum passt zu ihren Schuldgefühlen, wenn sie nichts zu tun hat. Ich gab Radium bromatum 12K(3) mit patiellem Erfolg, die Beschwerden gingen zwar zurück, doch ein gewisser Juckreiz blieb.
Als nächstes Mittel gab ich Radium Iodatum, eine Verfeinerung der bisherigen Verordnung nach einem Traum, in dem sie den Wunsch hatte, ihre Gefühle durch Singen und Malen auszudrücken. Sie träumte den Namen des Mittels für ihren  Juckreiz, konnte sich aber nach dem Erwachen nicht mehr daran erinnern. Künstlerisches Schaffen gehört in die Silber-Serie, und "vergessen" ist ein Wort, das zu Iodum passt. Sie erhielt Radium jodatum 30K.

Während der nächsten drei Wochen reagierte sie gut. Sie brauchte die Kortison-Salbe nicht so oft, aber am Ende der Ferien kam sie in eine Stresssituation und musste einen Babysitter organisieren, um wieder arbeiten gehen zu können; daher  brauchte sie das Mittel wieder. Ich gab ihr Radium jodatum 1M, das gut wirkte; sie brauchte für einige Zeit keine Salbe mehr. Später erhielt sie Radium jodatum 10M und die Verbesserung hielt an. Im Laufe der Zeit ging es ihr immer besser und sie brauchte immer weniger Salbe. Ihre spirituelle Entwicklung machte Fortschritte, ihre Beziehung zu ihrem Mann verbesserte sich und sie konnten den Verlust ihres Kindes gemeinsam tragen.

Follow-up nach 5 Jahren:

„Im Laufe der Zeit habe ich erkannt, dass die Symptome des Lichen Sklerosus mit unbewussten Schuldgefühlen zusammen hängen, die lange Zeit nicht bearbeitet wurden; vielleicht monatelang. Manchmal bin ich symptomfrei und dann tauchen die Symptome plötzlich wieder auf. Jetzt versuche ich, meine Schuldgefühle zu entdecken und zu analysieren, das hilft mir, loszulassen und wenn ich loslasse, verschwinden auch meine Beschwerden.“

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(1) Lichen sclerosus (LS): chronisch entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung, vermutlich Autoimmunerkrankung.
(1)Endometritis: Entzündung der Gebärmutterschleimhaut
(3) Korsakoff

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Fotos: Wikipedia
Uran 235 Atom; Stefan-Xp
Frederik de Klerk und Nelson Mandela schütteln die Hände auf der Jahrestagung des World Economic Forums in Davos im Januar 1992; Copyright World Economic Forum (www.weforum.org)
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Vorbereitung und kristallographische Eigenschaften bestimmter Lanthanide und Aktinide, Tribromide und Tribromid Hexahydrate; Materialscientist

Kategorie: Fälle
Stichwort: Actinide
Mittel: Radium bromatum, Radium jodatum

 



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