Verbreitung der homöopathischen Behandlung bei Kindern

Deutschland: Homöopathie in der Kinderheilkunde.
Die Ergebnisse der KiGGS-Studie

Yong Du PhD und Hildtraud Knopf MD
Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichte, Abteilung für nicht übertragbare Krankheiten, Robert Koch Institut, Berlin, Deutschland

Zusammenfassung

Zweck: Trotz des zunehmenden Drucks auf die Homöopathie wird von einem unerwarteten Wiederaufleben der homöopathischen Behandlungsweise berichtet. Daher ist eine Untersuchung der homöopathischen Therapie und des Nutzerprofils unter deutschen Kindern von Interesse.

Methode:
In der vorliegenden Studie geht es um den Einsatz von homöopathischer Behandlung bei 17 450 Kindern zwischen 0 und 7 Jahren, die von 2003 bis 2006 an einer Gesundheitsstudie (KiGGS) teilgenommen hatten.

Die Studie, die sich komplexer Untersuchungsmethoden bediente, hatte zum Ziel, die Verbreitung der Homöopathie und die mit der homöopathischen Behandlung verbundenen Umstände zu erforschen. Dabei wurde die Einnahme homöopathischer Mittel in der der Untersuchung voran gegangenen Woche erfasst.

Ergebnisse:
718 Kinder nahmen 951 verschiedene homöopathische Arzneimittel ein. (Prävalenz 4.6%). Fast die Hälfte dieser homöopathischen Mittel waren durch einen Arzt oder Heilpraktiker verordnet worden. Sie wurden meistens zur Behandlung akuter Erkrankungen eingesetzt. Etwa 60% der Homöopathie-Anwender erhielten zeitgleich konventionelle Mittel. Homöopathie hat offenbar einen Bezug zu sozialökonomischen Faktoren. Eine signifikant hohe Verbreitung homöopathischer Behandlung findet sich

in der Altersgruppe von 0-6 Jahren [Prävalenz 6,2%, Odds ratio (Quotenverhältnis) 2.2, 95%, Konfidenzintervall (CIs)1.7– 2.9)], bei Kindern aus den alten Bundesländern [5.1%, 2.2(1.5–3.2)], bei süddeutschen Kindern [6.6%, 1.7(1.3–2.4)], bei Kindern in schlechtem Gesundheitszustand [6.8%, 3.0(2.2–4.2)], bei Kindern ohne Migrationshintergrund [5.3%, 3.7(2.2–6.1)], bei Kindern, die länger als 6 Monate gestillt worden waren [7.6%, 2.1(1.6–2.9)], bei Kindern aus der oberen Mittelschicht [7.4%, 1.8(1.1–2.8)] und bei Kindern, deren Mütter eine höhere Schulbildung hatten [7.2%, 1.6(1.2–2.2)].

Schlussfolgerungen:
Die homöopathische Behandlung von Kindern ist in Deutschland sehr verbreitet, besonders in Familien mit einem höheren sozialökonomischen Status. Die häufige Anwendung von Homöopathie in der Kinderheilkunde rechtfertigt eine kritische Untersuchung, um festzustellen, ob sie wirksam und kostengünstig ist.
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Hahnemann

Hahnemann-Memorial

EINFÜHRUNG

Die Homöopathie wurde Ende des 18. Jahrhunderts von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann begründet. Die beiden Hauptprinzipien der Homöopathie sind das ‘Simileprinzip’ und die ‚Potenzierung’ die völlig kontrovers zu den Prinzipien der konventionellen Medizin steht. Homöopathische Mittel werden in der Regel aus natürlichen Substanzen  wie Pflanzen, Tieren oder Mineralien gewonnen. Sie sind so stark verdünnt, dass oft nicht einmal mehr ein einziges Molekül der Urtinktur in der fertigen homöopathischen Verdünnung enthalten ist. Verglichen mit der modernen Medizin kann man die Homöopathie, die so wenig chemische Substanzen, aber viel Flüssigkeit enthält, als konservatives Verfahren bezeichnen.

Im frühen 19. Jahrhundert zeigte sich die Homöopathie bei der Behandlung von Cholera und Typhus der konventionellen Medizin überlegen. Dies könnte einer der Gründe sein, warum sich die Homöopathie schon bald, nachdem sie ins Leben gerufen worden war, relativ schnell verbreitete und zu einer der populärsten alternativmedizinischen Therapien auf der ganzen Welt wurde.

Im 20. Jahrhundert begann jedoch als Folge des Anstiegs der Antibiotika-Behandlung und der modernen Medizintechnologie der Niedergang der Homöopathie, der mit ihrer Gegenläufigkeit zur konventionellen Medizin in Diagnose und Therapie zusammenhing. Das Simile-Prinzip kollidiert mit der konventionellen Medizin, weil diese nicht mit dem Gleichen, sondern mit dem Entgegengesetzten heilen will (sogenannte Allopathie. Die Potenzierung ist pharmakologisch nicht plausibel, sprich unglaubwürdig. Die Homöopathie wurde als ‚unwissenschaftlich’ abgestempelt und von der modernen Medizin beiseite gefegt. Seit die Ergebnisse einer großen meta-analytischen Studie bekannt geworden waren, die die klinischen Wirkungen einer homöopathischen Behandlung nicht höher als die einer Placebogabe einstufte, war die Homöopathie zunehmend unter Druck geraten.
Erstaunlicherweise erlebte die Homöopathie jedoch in den letzten Jahren in einigen europäischen Ländern und in den USA eine unerwartete Renaissance.


Die Anwendung von Medikamenten in der Kinderheilkunde erfordert ein hohes Maß an Sicherheitsvorkehrungen, zumal die herkömmlichen Arzneimittel in der Regel nicht für Kinder geeignet sind. Unerwünschte Nebenwirkungen – oft mit gefährlichen Konsequenzen – sind in der kinderärztlichen Praxis nicht selten. Wegen ihrer natürlichen Eigenschaften und der extrem geringen Inhaltsstoffe werden homöopathische Mittel von vielen Naturheilkundlern und Eltern als risikofrei und daher als besonders geeignet für Kinder angesehen. Die Anwendung homöopathischer Mittel ist bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen im Ansteigen begriffen. Eine kürzlich in Schottland durchgeführte Studie zeigt, dass sich die Tendenz zur Durchführung einer homöopathischen Therapie bei Kindern unter 16 seit dem Jahr 2000 verdoppelt hat. In Norwegen wuchs die Anzahl der Kinder unter den homöopathisch behandelten Patienten zwischen 1994 und 2004 von 26% auf 36% an
Deutschland ist das Ursprungsland der Homöopathie. Als traditionelle Volksmedizin war sie bei der erwachsenen deutschen Bevölkerung schon immer beliebt.Die neuesten Studien belegen, dass der Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Deutschland im Jahr 2006 235 Millionen Dollar betrug und 2007 sogar noch um 5% angestiegen war.Kinder gehören zu den wichtigsten Nutzern der Homöopathie; dennoch gab es bis jetzt noch keine bundesweite Untersuchung über die Anwendung von Homöopathie in der Kinderheilkunde. Vor diesem Hintergrund präsentieren wir jetzt die Ergebnisse unserer Gesundheitsstudie über die Anwendung von Homöopathie bei Kindern [Kiggs].

METHODEN

Die deutsche Gesundheitsstudie (KiGGS) wurde nach einjährigem Vorlauf zwischen Mai 2003 und Mai 2006 formal durch das Robert-Koch-Institut geleitet. Die untersuchte Zielpopulation waren Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 17 Jahren, die sich derzeit nicht stationär in einem Krankenhaus aufhielten. Schlussendlich nahmen an der Studie 17 641 Kinder und Jugendliche teil, davon 8985 Jungen und 8656 Mädchen; die Antwortrate lag bei 66,6 %. Kinder über 14 Jahren wurden selbst befragt, bei kleineren Kindern beantworteten die Eltern die Fragen. Vom 11. Lebensjahr an gab es parallel einen Fragebogen für

die Kinder. Erfasst wurden soziale und ökonomische Fragen, der familiäre Hintergrund, die Krankheitsgeschichte und Gesundheitszustand, gesundheitsrelevantes Verhalten wie Rauchen, Alkoholkonsum, Freizeitaktivitäten usw.

Zusätzlich wurden von besonders geschulten Ärzten computerunterstützte persönliche Befragungen durchgeführt, um die Krankengeschichte und eventuell diagnostizierte chronische Erkrankungen zu erfragen und zu erfahren, welche Mittel in den vergangenen 7 Tagen vor dem Interview eingenommen worden waren. Es wurden sowohl verordnete als auch rezeptfreie Mittel (OTC - over-the-counter) berücksichtigt. Die Eltern waren gebeten worden, Rezepte sowie Originalverpackungen zu dem Termin mitzubringen.

Der Medikamentenverbrauch wurde durch die Frage nach der Einnahme in den letzten 7 Tagen ermittelt: „Hat Ihr Kind in den letzten 7 Tagen irgendwelche Medikamente eingenommen? Bitte vergessen Sie nicht die Anwendung von Salben und Einreibungen, der Antibabypille, von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitaminen und Mineralstoffen sowie von medizinischen Kräutertees, und die Einnahme pflanzlicher und homöopathischer Arzneimittel. Es wurden auch Anwendungsdetails ermittelt, der Firmenname des Mittels aufgezeichnet, die Behandlungsursache, der Einnahmemodus, die Einnahmevorschriften und die Dauer der Anwendung dokumentiert.
Die aktuelle Analyse basiert auf den Aussagen von 17 450 Kindern und Jugendlichen, davon 8880 Jungen (50,9%) und 8570 (49,1%) Mädchen.       

 

Arnica montana

Arnica

Ergebnisse

Anwendung homöopathischer Mittel

 Insgesamt wurden 14 589 verschiedene Arzneimittel von 8899 Kindern eingenommen. Bei 951 (6,5%) dieser Medikamente handelte es sich um homöopathische Mittel, die von 718 Kindern (8,1%) eingenommen worden waren.
Die am häufigsten verwendeten homöopathischen Mittel waren:

Arnica (11.5%) Ferrum phosphoricum (4.5%) und Schüßler-Salze (4,1%)

Die am häufigsten mit homöopathischen Mitteln behandelten Beschwerden waren:

Erkältungskrankheiten (10,9%) vorbeugende Maßnahmen (8,2%) Husten (7,0%)

Von den 718 Homöopathieanwendern nahmen 565 Kinder (78,7%) nur ein einziges homöopathisches Mittel ein, während 153 (21,3%) zwei oder mehr (maximal 6) Mittel benutzten.

297 Kinder(41,4%) wurden ausschließlich homöopathisch behandelt, 421 (58,6%) erhielten außerdem konventionelle Mittel.

Fast die Hälfte der homöopathischen Mittel wurden von Ärzten (25,7%) oder von Heilpraktikern (23,1%) verschrieben, während etwa ein Drittel rezeptfrei erworben worden war.

Im Vergleich zu nicht-homöopathischen Medikamenten wurden homöopathische Mittel eher nur über einen kürzeren Zeitraum bis zu 4 Wochen angewendet(78.8% vs. 69.5%), jedoch weniger oft für eine längere Zeit von mehr als 12 Monaten (2.4 vs. 13.5%).

Nur einmal wurde eine negative Reaktion auf ein homöopathisches Mittel beobachtet(0,1%), und in zwei Fällen wurde das homöopathische Mittel nicht vertragen (0.2%); bei den allopathischen Mitteln reagierten 88 Patienten (0,6%) ungünstig auf das gegebene Medikament und es traten 209 (1.5%) Fälle von Arzneimittelintoleranz auf.

 

Obwohl 53,8% der homöopathischen Mittel eine hervorragende Wirkung bescheinigt wurde, unterschieden sie sich nicht hier nicht von den nicht-homöopathischen Medikamenten (p>.05). Bei jüngeren Kindern unter 6 Jahren war die homöopathische Behandlung am stärksten verbreitet.

Die Homöopathie erfreut sich besonders großer Beliebtheit in den alten Bundesländern, in Süddeutschland, in Kleinstädten, bei chronisch kranken Kindern, bei Kindern ohne Migrationshintergrund, Stillkindern und Kindern gebildeter Eltern aus höheren sozialen Schichten, deren Mütter während der Schwangerschaft nie geraucht oder Alkohol getrunken hatten (statistisch abgesichert).

  Tabelle 2 : Die 10 am häufigsten angewendeten homöopathischen Mittel in %

1 Arnica 109 (11.5 %)
2 Ferrum phosphoricum 43 (4.5 %)
3 Schüßler-Salze 39 (4.1 %)
4 Chamomilla 36 (3.8 %)
5 Belladonna 35 (3.7 %)
6 Aconit 28 (2.9 %)
7 Pulsatilla 27 (2.8 %)
8 Bach-Blüten 24 (2.5 %)
9 Acidum Silicium 18 (1.9 %)
10 Echinacea 17 (1.8 %)

Alle anderen 575 (60.5 %)
Insgesamt 951 (100 %)

Die häufigsten Indikationen für die Anwendung homöopathischer Mittel in  %

- akute Erkältungskrankheiten 104 (10.9 %) 
- Vorbeugung, unspezifisch 78 (8.2 %) 
- Husten 67 (7.0 %)
- Zahnungsbeschwerden 34 (3.6 %)
- Krankheitsgefühl und Erschöpfung 33 (3.5 %)
- Neurodermitis 27 (2.8 %)
- Prellung, blaue Flecken 27 (2.8 %)
- Fieber, unspezifisch 20 (2.1 %)
- Bauchschmerzen, unspezifisch 17 (1.8 %)
- akuter Atemwegsinfekt, unspezifisch 16 (1.7 %)

- alle anderen 528 (55.5%)
- insgesamt 951 (100%)

DISKUSSION

Die Anwendung der Homöopathie in der Kinderheilkunde wurde auch in anderen Ländern durch repräsentative Studien untersucht. Diese Studien zeigen größtenteils eine geringere Verbreitung der Homöopathie als in Deutschland. In einer repräsentativen englischen Studie wurde die Häufigkeit von homöopathischer Behandlung bei 9723 Kindern im Alter zwischen 3 und 4 ½ Jahren untersucht. Die Ergebnisse machten deutlich, dass 6% der durch die Studie erfassten Kinder in den vergangenen 18 Monaten homöopathische Mittel erhalten hatten.

Von den 3-6-Jährigen unserer Studie hatten dagegen in der vorangegangenen Woche 6,3% homöopathische Mittel eingenommen.
In einer landesweiten Erhebung in Italien zeigte sich, dass 7,7% der Kinder unter 14 Jahren zwischen 1997 und 1998 in homöopathischer Behandlung gewesen waren. In unserer Studie brachten es die Gleichaltrigen nur auf 5,3%, was allerdings nur für die vorangegangene Woche und nicht wie bei der italienischen Studie über einen Zeitraum von mehreren Jahren galt.
Eine amerikanische Studie ergab, dass 1996 1,8% der unter 18jährigen mit alternativen medizinischen Behandlungsverfahren - einschließlich Homöopathie - behandelt worden waren. Trotz der Vermutung, dass hier zu geringe Zahlen angegeben wurden, muss davon ausgegangen werden, dass amerikanische Kinder seltener homöopathisch behandelt werden als deutsche Kinder. Ähnlich wie in früheren Studien zeigten sich wieder Zusammenhänge zwischen Homöopathie-Anwendung, sozialem Hintergrund und Gesundheitsbewusstsein, sowohl in den Studien über Kinder als auch in den Erwachsenenstudien.
Die Kinder-Studie von Wye et al ergab, dass der Einsatz von homöopathischer Therapie direkt proportional zur Höhe des mütterlichen Bildungsniveaus und des Familieneinkommens verläuft. Die Wahrscheinlichkeit homöopathischer Therapie sinkt dagegen mit dem Gesundheitszustand der Kinder, und, wenn die Mutter Raucherin ist.

Sicher gibt es viele Gründe für die Beliebtheit der Homöopathie in Deutschland. Einer davon ist vielleicht der einzigartige Berufsstand des Heilpraktikers. Schätzungsweise gibt es in Deutschland ca. 10 000 bis 20 000 Heilpraktiker.

 

Mutter mit ihrem Kind

Die meisten von ihnen setzen homöopathische Mittel ein. In unserer Studie wurden etwa ¼ der homöopathischen Mittel von Heilpraktikern verschrieben, ebenso viele wie von Ärzten. Studien in England haben erwiesen, dass 6% der homöopathischen Verordnungen durch den National Health Service und 12% von Schottischen Allgemeinärzten stammen.Obwohl die genaue Anzahl der Homöopathie-Verordnungen durch deutsche Ärzt nicht bekannt ist, wird allgemein angenommen, dass deutsche Ärzte mehr von der Homöopathie überzeugt sind als die Ärzteschaft anderer Länder, z.B. England. Die Existenz des besonderen Berufsbildes des Heilpraktikers hat die Bevölkerung sensibilisiert und die Popularität der Homöopathie gefördert.
Ein weiterer Grund könnte die hohe Homöopathie-Akzeptanz in der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands sein.

Die Entscheidung für eine homöopathische Behandlung ihrer Kinder ist stark von der Präferenz der Eltern abhängig. Eltern, die für sich selbst eine homöopathische Therapie bevorzugen, werden auch ihre Kinder eher homöopathisch behandeln lassen.
Laut einer Meinungsumfrage aus dem Jahr 2002 haben 28% der erwachsenen deutschen Bundesbürger irgendwann in ihrem Leben homöopathische Mittel genommen, und 14% während der letzten 12 Monat. Diese Ergebnisse legen nahe, dass der Homöopathie-Gebrauch in der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland bedeutend höher zu sein scheint als in anderen europäischen Ländern und in den USA.
Dies ist durch die repräsentative Studie von Hartel und Volger13 belegt, die aussagt, dass 20% der deutschen Frauen und 10% der Männer (insgesamt 14,8% der Studienteilnehmer) zwischen 18 und 69 Jahren in den letzten 12 Monaten vor Studienbeginn homöopathische Mittel eingenommen hatten. Offenbar wird in Deutschland häufiger homöopathische behandelt als in anderen Europäischen Ländern und in den USA. Kinder stellen in Deutschland einen relativ großen Prozentsatz der Homöopathiepatienten. Bei eine deutschen Untersuchung von 3981 Homöopathie-Patienten in den Jahren 1997- 1999 waren 1130 (28,5 %) Kinder unter 17 Jahren.

Während Homöopathie in der Bundesrepublik Deutschland (Westdeutschland) frei praktiziert wurde, konnte in der Deutschen Demokratischen Republik (Ostdeutschland) nur in sehr begrenztem Maße homöopathisch behandelt werden. Obwohl die Wiedervereinigung inzwischen mehr als 10 Jahre zurückliegt, zeigen sich auch heute noch große Differenzen zwischen den beiden Teilen Deutschlands, was den Einsatz von Homöopathie betrifft.
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Mittel

Homöopathische Mittel

“Homöopathische Mittel werden gewöhnlich als sicher, wenn auch nicht als völlig risikofrei angesehen. 54% der homöopathischen Behandlungen wurden von den Anwendern als sehr wirksam bezeichnet. Dennoch muss bedacht werden, dass es sich hierbei um leichte und selbst-limitierende Erkrankungen handelte. Diese Erkrankungen verschwinden gewöhnlich nach einer gewissen Zeit ohne jede Behandlung. Daher wurden homöopathische Mittel auch nur über einen kürzeren Zeitraum angewendet.

Andererseits könnte der kurzfristigere Einsatz der homöopathischen Mittel auch bedeuten, dass der Behandlungserfolg nicht zufrieden stellend war. Schließlich hatten ja auch Studien über die Behandlungseffektivität verschiedener Verfahren bereits ergeben, dass Homöopathie statistisch gesehen nicht wirkungsvoller war als ein Placebo. 40% der Homöopathie-Anwender unserer Studie wurden ausschließlich homöopathisch behandelt, d.h. dass ihnen evtl. konventionelle Mittel vorenthalten wurden. Außerdem sind Homöopathen häufig Impfungen gegenüber negativ eingestellt und könnten Müttern von der Impfung ihrer Kinder abraten. Eine umfangreiche Studie hat gezeigt, dass homöopathisch behandelte Kinder und Patientenkinder von Heilpraktikern seltener geimpft wurden.Obwohl eine Wirkung der Homöopathie wissenschaftlich bisher nicht nachweisbar ist, zeigen unsere Ergebnisse, dass homöopathische Therapie gerade von gebildeten Familien mit gehobenem Sozialstatus und höherem Gesundheitsbewusstsein bevorzugt wird. Das muss vorsichtig interpretiert werden. Hier könnten auch ökonomische Gründe eine Rolle spielen. In Deutschland deckt die gesetzliche Krankenversicherung nicht alle Kosten einer homöopathischen Behandlung, während die Privatkassen die vollen Kosten übernehmen. In Deutschland sind meist vor allem Personen mit höherem Einkommen privat versichert. Das könnte für den Zusammenhang zwischen Homöopathieanwendung und stabilem ökonomischen Hintergrund von Bedeutung sein. Die auffällige Verbreitung der Homöopathie unter Familien mit höherem Sozialstatus zeigt aber auch, dass eine homöopathische Behandlung dem Bedürfnis der Eltern nach mehr Mündigkeit und Achtsamkeit entgegen kommt und ihnen eher die Möglichkeit bietet, ihre eigenen Vorstellungen und Bedenken einzubringen. Unsere Untersuchung ist durch die Menge der teilnehmenden Kinder repräsentativ und ihre Ergebnisse sind daher auf ganz Deutschland übertragbar.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Homöopathie – obwohl wissenschaftlich unhaltbar und kontrovers zur Schulmedizin – in Deutschland sehr populär ist; besonders weit verbreitet ist sie in sozial besser gestellten und gesundheitsbewussten Kreisen, wobei ökonomische Gründe eine Rolle spielen mögen. Gerade weil Wirkungsnachweis sowie Unbedenklichkeitnachweis noch ausstehen, sind bei der offensichtlich starken Verbreitung der Homöopathie in der Kinderheilkunde weitere Untersuchungen nötig, um Wirksamkeit und Kostensenkungspotential der Homöopathie zu überprüfen.

 

Link zum Originalartikel

Stichworte—Homöopathie; pädiatrisch; KiGGS; Deutschland; Kinder und Jugendliche.
Erhalten: 23 September 2008; Überprüft: 20 November 2008; Angenommen:14 January 2009

 

 



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