Homöopathie bei chronischen Krankheiten

Gesünder mit geringen Mehrkosten

Homöopathie effektiv bei chronischen Krankheiten

EICCAM Studie (European Information Centre for Complementary & Alternative Medicine)


Stethoskop

Chronisch Kranke profitieren bei etwa gleichen Kosten mehr von homöopathischer Behandlung als von der konventionellen Medizin. Das hat eine deutsche Untersuchung mit 315 Erwachsenen und 178 Kindern über einen Zeitraum von 12 Monaten gezeigt. Die eine Hälfte der Patienten wurde homöopathisch behandelt, die andere erhielt eine konventionelle Behandlung. In beiden Gruppen verbesserte sich der Gesundheitsstatus der Patienten, doch verzeichneten die homöopathisch behandelten Patienten eine noch signifikantere Besserung.

Die Gesamtkosten einschließlich Arztkosten, Medikamenten und Klinikaufenthalten waren bei den Erwachsenen für beide Gruppen nahezu identisch, während sie bei homöopathisch behandelten Kindern durchschnittlich höher lagen.

Zusammenfassung der Studienergebnisse und Kommentar

C. Witt et al: Erfolg und Kosten homöopathischer versus konventioneller Behandlung: Eine vergleichende Untersuchung bei Patienten mit chronischen Krankheiten, Complementary Therapies in Medicine (Zs. für Komplementärmedizin) 13/2005 , 79‐86. 

Der vorliegende Bericht wurde im Februar 2009 vom Europäischen Zentrum für Komplementär- und Alternativmedizin (EICCAM) erstellt. Eiccam hat sich um Richtigkeit und Vollständigkeit bemüht, kann jedoch nicht dafür garantieren (www.eiccam.eu).

Zusammenfassung

Ziel der Studie 

Vergleich von Erfolg und Kosten bei homöopathisch und konventionell behandelten chronisch Kranken 

Therapie

Keine Einschränkungen: homöopathisch und konventionell behandelnde Ärzte waren völlig frei in der Wahl der Verfahren und der Mittel 

Patienten 

315 Erwachsene mit Kopfschmerzen, Kreuzschmerzen, Depressionen, Schlafstörungen oder Sinusitis

 

178 Kinder mit Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma 

Dauer 

12 Monate vom ersten Arzt-Kontakt an

Schweregrad der Beschwerden 

Homöopathische Gruppe: Verbesserung von 57 auf 32 Punkte (Skala 0 – 100) 

 

Konventionelle Gruppe: Verbesserung von 59 auf 44 Punkte 

Lebensqualität

Homöopathische Gruppe: mäßige Besserung auf der körperlichen, starke Besserung auf der psychischen Ebene. 

 

Konventionelle Gruppe: geringe Besserung auf der körperlichen, mäßige Besserung auf der psychischen Ebene. 

Gesamtkosten 

Homöopathische Gruppe: Gesamtkosten von € 2.155 bei Erwachsenen und € 1.471 bei Kindern 

 

Konventionelle Gruppe: Gesamtkosten von € 2.013 bei Erwachsenen und € 786 bei Kindern 

Fazit  

Homöopathisch behandelte Patienten hatten insgesamt bessere Ergebnisse; die Höhe der Kosten ist in beiden Gruppen ähnlich.

 

Krankes Kind
© S.Hofschlaeger / PIXELIO

Details der Studie
Die vorliegende Studie unter Leitung von Dr. Claudia Witt von der Berliner Universitätsklinik Charité vergleicht die Behandlungserfolge bei chronisch Kranken unter homöopathischer und konventioneller Therapie. Dabei sollten die üblichen, alltäglichen Behandlungsverfahren erforscht werden: Die Patienten hatten freie Arztwahl, und die Ärzte durften die Therapieverfahren ihrer Wahl anwenden.

Patienten, die in homöopathischer Behandlung waren, stand es frei, zusätzlich konventionelle Therapien in Anspruch nehmen und konventionell behandelte Patienten durften außerdem homöopathische Mittel einnehmen.

Insgesamt nahmen 493 Patienten an der Studie teil, wovon 265 (174 Erwachsene und 91 Kinder) homöopathisch und 228 (141 Erwachsene und 87 Kinder) konventionell behandelt wurden. Alle Patienten waren chronisch krank. Die Erwachsenen hatten Kopfschmerzen, Kreuzschmerzen, Depressionen, Schlafstörungen oder Sinusitis, während die Kinder an Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma litten. Alle Patienten wurden vor der Behandlung körperlich untersucht. Nach der Erstkonsultation wurden sie für weitere 12 Monate therapeutisch begleitet. Die Hälfte der homöopathisch behandelten Patienten erhielt zusätzlich eine konventionelle Therapie. Die Erwachsenen meldeten nach 6monatiger homöopathischer Behandlung einen 40prozentigen Rückgang ihrer typischen Beschwerden im Vergleich zu einer nur 25prozentigen Besserung nach konventioneller Therapie. In beiden Gruppen hielten diese Ergebnisse mindestens 6 Monate lang an. Gleichzeitig verzeichneten die Homöopathie-Patienten einen wesentlich höheren Anstieg ihrer Lebensqualität.
Die Kinder beider Gruppen zeigten nach 6monatiger Behandlung eine über 50prozentige Besserung ihrer Beschwerden. Nach 12 Monaten hatte die Besserung bei den homöopathisch therapierten Kindern angehalten, während sie in der konventionell behandelten Gruppe etwas zurückgegangen war.

Die Gesamtkosten einschließlich Arztbesuchen, medizinischer und anderer Therapien, Krankenhausaufenthalten und Arbeitsausfallzeiten konnten durch das deutsche Gesundheitssystem gedeckt werden.Die Kosten für die homöopathische und die konventionelle Therapie lagen etwa auf gleicher Höhe.Ein Erwachsener dieser Studie verursachte bei homöopathischer Behandlung durchschnittliche Krankheitskosten von € 2.155, ein konventionell behandelter Patient € 2.013.

Die homöopathische Behandlung von Kindern kostete im gleichen Zeitraum durchschnittlich € 1.471, die konventionelle Therapie € 786.
Dr.Witt betonte jedoch, dass diese Kostendifferenz darauf zurückzuführen sei, dass bei einigen wenigen Kindern aus der Homöopathie-Gruppe Klinikaufenthalte stattgefunden hatten, was zu dem hohen Kostendurchschnitt geführt habe. Tatsächlich hatte die homöopathische Behandlung bei den meisten Kindern nicht zu erhöhten Kosten gegenüber der konventionellen Therapie geführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von Homöopathie in der Behandlung chronisch Kranker im Praxisalltag zwar nicht notwendigerweise Kosten senkend, aber doch Kosten effektiv ist.


Arzneimittel

Kommentar

Der große Vorteil von Frau Dr. Witts vergleichender Studie ist die 12-monatige kontinuierliche Begleitung der Patienten vom ersten Arztbesuch an. Dies ermöglicht eine gründliche Recherche und korrekte Ergebnisse.Bedauerlich ist jedoch die Vermischung verschiedener Krankheitsbilder in einer einzigen Studien-Analyse.

Vom homöopathischen Standpunkt aus mag eine solche Vorgehensweise noch akzeptabel erscheinen, da die Homöopathie auf eine Behandlung des ganzen Menschen und nicht nur auf Einzelerkrankungen ausgerichtet ist. Für die konventionelle Therapie ist dieser Ansatz jedoch problematisch. Ebenso unangemessen erscheint er im Hinblick auf die ökonomische Perspektive, denn der ökonomische Aspekt kann sich bei unterschiedlichen Krankheiten erheblich unterscheiden. Daher erhebt sich die Frage, ob das Gesamtresultat auf die verschiedenen krankheitsspezifischen Untergruppen übertragbar ist.

Die Ergebnisse der Studie sollten nicht ausschließlich als Beweis für die Wirksamkeit homöopathischer Medikation interpretiert werden.
Die Studie war eher auf ein umfassendes Therapiekonzept ausgerichtet, das aus verschiedenen Verfahren bestand, die über die reine Verordnung von Arzneimitteln hinausgingen. Aus diesem Grund wurden in der Homöopathie-Gruppe auch zusätzlich konventionelle Verfahren zugelassen. Auf diese Weise zeichnet Dr. Witts Studie ein realistisches Bild davon, was erwartet werden kann, wenn ein chronisch kranker Patient in erster Linie homöopathisch behandelt wird. Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke dieser Studie.
Die Studienergebnisse sind für die Entscheidungsträger auf dem medizinischen Sektor von großer Bedeutung, vor allem, da es sich um Krankheiten mit hohem Kostenfaktor für das Gesundheitswesen handelt.

In Deutschland zählen Kreuzschmerzen zu den wichtigsten Anlässen für Arbeitslosigkeit und zu den Hauptgründen, einen Arzt aufzusuchen. Sie kosten das deutsche

Gesundheitssystem mehr als 3 Billionen Euro jährlich. Das kindliche Asthma ist der häufigste Anlass für Fehlzeiten in der Schule wegen chronischer Erkrankungen.

Es ist allerdings mehr als fraglich, ob die Resultate der deutschen Studie auf andere europäische Länder übertragbar sind, da sich alle Kostenangaben wie Arzneimittelkosten, Arzt- und Krankenhauskosten usw. auf das deutsche Gesundheitssystem beziehen. Sie können in anderen Ländern stark differieren.

Quellen:
Dipl.Stat.Rainer Lüdtke, Karl & Veronica Carstens‐Stiftung, Essen, Deutschland (Autor) 
Professor Dr. Harald Walach, Universität Northampton, England (wissenschaftl.Beirat)  
Dr. Karen Pilkington, Universität Westminster, England (wissenschaftl.Beirat) 
Gesundheitsberichterstattung des Bundes: www.gbe‐bund.de
u.a.

Originalartikel: Better health at little extra cost

 

 


 

 

 



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