Homöopathie als Ersatz für Antibiotika

Homöopathie als Ersatz für Antibiotika
im Fall von Escherichia Coli-Diarrhöe bei
neugeborenen Ferkeln

von I.Camerlink (1), L. Ellinger (2), E.J. Bakker (3) und E.A. Lantinga (1)
 

©RainerSturm/PIXELIO

Hintergrund

Die Anwendung von Antibiotika in der Tierhaltung nimmt derart zu, dass negative Folgen für die Tiergesundheit, die menschliche Gesundheit und die Umwelt drohen. In den Niederlanden stieg der jährliche Gesamtverbrauch von Antibiotika in der Tierhaltung zwischen 1999 und 2007 von 322.000 auf 590.000 Kg an.

In der ökologischen Tierhaltung ist die Menge von Antibiotika, die eingesetzt werden dürfen, beschränkt.
Daher werden Antibiotika hier teilweise durch alternative Arzneimittel ersetzt, wobei die am häufigsten angewandte Therapie die Homöopathie ist. Die Homöopathie hat auf den verschiedensten medizinischen Gebieten ihre praktische Wirksamkeit gezeigt, jedoch fehlt es noch an wissenschaftlichen Beweisen. Die homöopathische Forschungsliteratur im tierärztlichen Bereich umfasst weniger als 20 randomisierte placebo-kontrollierte Studien (RCTs). Frühere Studien betrafen Brustdrüsenentzündungen bei Rindern, Unfruchtbarkeit bei Rindern, ansteckende Krankheiten bei Schweinen, die Wachstumsgeschwindigkeit bei Schweinen und Salmonellen bei Hühnern.

Die Behandlung mit homöopathischen Mitteln hat den bedeutenden Vorteil, dass es keine Rückstände in den Tierprodukten gibt, und Homöopathie erzeugt auch keine Resistenzen.

Das europäische Komitee für Homöopathie weiß:
"Wenn die homöopathische Behandlung in die Viehhaltung eingeführt würde, wäre der europäische Bürger besser vor pharmakologischen Rückständen in Tierprodukten geschützt."

Homöopathie zielt darauf ab, die Selbstheilungsmechanismen des Körpers zu aktivieren. Daher kann der Heilungsprozess mehr Zeit in Anspruch nehmen; auch erfordert die Bestimmung des richtigen Mittels genaue homöopathische  Kenntnisse. Unwissenheit und mangelndes Verständnis für die homöopathische Therapiemethode sind vermutlich die Hauptgründe für die begrenzte Anwendung der Homöopathie in der Viehhaltung.

Homöopathie kann jedoch durchaus eine realistische Alternative zur Antibiotika-Behandlung in der Tierhaltung sein.
Es wurde daher hier durch eine randomisierte placebo-kontrollierte Studie geprüft, ob homöopathische Mittel Escherichia coli-Diarrhöe bei neugeborenen Ferkeln verhindern können.

   


© maluch /PIXELIO

Methodik

Um sicherzustellen, dass eventuelle Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nicht durch einen Placebo-Effekt oder eine unterschiedliche Behandlung der Tiere durch ihre Betreuer während oder nach der Behandlung zustande kommen konnten, wurde die Form der randomisierten, Observer-blinden und placebo-kontrollierten Studie gewählt. 

Die Studie wurde auf einer kommerziellen Schweinefarm durchgeführt, wo ca.300 Schweine (große, weiße, holländische Landschweine) gehalten wurden. Die Sterblichkeit der neugeborenen Schweine lag 2008 bei 12%, zum großen Teil wegen der durch E.Coli verursachten Neugeborenen-Diarrhoe.

Es wurden zweiundfünfzig gesunde Schweine in den letzten Schwangerschaftsmonaten ausgewählt, die noch nie gegen E.Coli geimpft worden waren. Sechsundzwanzig Säue wurden zufällig verteilt der Gruppe zugewiesen, die eine homöopathische Behandlung erhielt, die übrigen sechsundzwanzig erhielten ein Placebo.

Insgesamt 525 neugeborene Ferkel, die von diesen Säuen geboren worden waren, wurden in die Untersuchung einbezogen. (Ferkel, die starben, weil sie nicht lebensfähig waren oder weil sie durch die Sau zerquetscht wurden, waren vom Experiment ausgeschlossen worden.)


© wolfish /PIXELIO

Die Placebo-Gruppe erfasste 265 Ferkel, die homöopathisch behandelte Gruppe 260. Die neugeborenen Schweinchen durften bei den Muttersäuen Kolostrum saugen. Sie erhielten keine zusätzliche Nahrung und keinen Milchersatz. Beide Gruppen waren im selben Stall untergebracht. Alle Tiere wurden nach den üblichen Richtlinien gepflegt.

 

Das homöopathische Agens Coli 30 K(4) ist eine Nosode aus verschiedenen Stämmen von E.Coli Bakterien. Die homöopathische Zubereitung „Coli 30 K“ bestand aus 99.85 % demineralisem Wasser, 0.1-%-tigem reinem Alkohol und 0.05 % Milchzucker besprüht mit der homöopathischen Potenz von E. coli.

Das Placebo hatte genau denselben Inhalt - abgesehen von der homöopathischen Zubereitung von E. coli. Homöopathische Substanzen werden vom Blut über die Schleimhäute gut aufgenommen z.B. durch Mund, Nase, Vulva. Aus praktischen Gründen wurde bei den Säuen das homöopathische Mittel in der Vulva zerstäubt. Diese Behandlung wurden bei allen Säuen in den letzten vier Wochen vor der Niederkunft zweimal wöchentlich durchgeführt.

 
Klinische Untersuchungen

Die Neugeborenen-E.Coli-Diarrhöe bei Ferkeln wird im Allgemeinen zwischen 12 Stunden und 5 Tagen nach der Geburt beobachtet. Daher wurden die Untersuchungen bis zu einer Woche post-partum fortgesetzt.

Die Ausscheidungen aller Ferkel wurden täglich auf ihre Konsistenz untersucht. Normale Konsistenz wurde mit - , wässrige Konsistenz (Durchfall) mit + gekennzeichnet. Die Stuhlproben wurden vom Labor des Tiergesundheitsdienstes auf E.Coli und Salmonellen untersucht. 

Während der Gesamtbeobachtungszeit litten 73 Ferkel an E. Coli-Diarrhöe, 452 Ferkel blieben ohne Durchfall.

Die Dauer der Durchfall-Erkrankungen wurde vom ersten Auftreten bis zur Rückkehr zu normaler Stuhl-Konsistenz oder zum Tod berechnet. Nur zwei Ferkel erlagen ihrer Erkrankung. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer war mit 1,86 Tagen in der Placebo-Gruppe länger als in der Coli 30K-Gruppe (1,3 Tage). Auch eine nur um einen halben Tag verkürzte Erkrankungsdauer erhält ihren Stellenwert, wenn man bedenkt, dass jeder Krankheitstag einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 8g bedeutet (Studie Johansen et al.).

 
Ergebnisse

Von den 265 Ferkeln der Placebo-Gruppe erkrankten 63 Tiere (23,8%) an Durchfall, von den 260 Ferkeln der Homöopathie-Gruppe dagegen nur 10 (3,8%)!

In der Placebogruppe trat während der gesamten Beobachtungsperiode, also an allen Tagen in der Woche nach der Geburt Diarrhöe auf, mit Spitzenwerten am Tag 0 (innerhalb von 24 h nach der Geburt) und am Tag 1 (24-48 Std. nach der Geburt).
In der Coli 30K-Gruppe bekamen 60 % der erkrankten Ferkel ihre Diarrhöe innerhalb von 24 bis 48 h nach der Geburt (Tag 1).
Ferkel von erstgebärenden Säuen sprachen besonders gut auf die Behandlung mit Coli 30 K an. Die Diarrhöe schien bei ihnen – falls sie überhaupt ausbrach - weniger schwer zu verlaufen und von kürzerer Dauer zu sein; außerdem steckten sich die Ferkel weniger leicht an.
Ihre Sterblichkeit ging im Vergleich mit den Ferkeln mehrgebärender Säue auffallend zurück.

In 70% aller Fälle erkrankten Ferkel aus dem gleichen Wurf am selben Tag.
In der Placebo-Gruppe waren 16 von 26 Würfen von Diarrhöe befallen, im Vergleich zu 7 von 24 Würfen aus der Coli 30K-Gruppe.

Die durchschnittliche Erkrankungsdauer war mit 1,86 Tagen in der Placebo-Gruppe deutlich länger als in der Coli 30K-Gruppe (1,3 Tage).

 
Zusammenfassung

Die Ferkel aus der Placebo-Gruppe erkrankten etwas mehr als sechsmal häufiger an E.Coli-Diarrhöe als die Ferkel, deren Mütter die homöopathische Behandlung mit Coli 30 K erhalten hatten, d.h. die Ferkel der homöopathisch behandelten Gruppe bekamen signifikant  seltener E.coli-Diarrhöe als die Ferkel der Placebo-Gruppe.

Besonders Ferkel von erstgebärenden Säuen reagierten gut auf die Behandlung mit Coli 30 K. In dieser Gruppe war der Unterschied zwischen den Placebo-Ferkeln und den Homöopathie-Ferkeln noch deutlicher.

Die Würfe der homöopathisch behandelten Schweine waren offenbar besser gegen die E.Coli-Diarrhoe geschützt, indem sie sich weniger leicht gegenseitig ansteckten, während sich die Schweinchen der Placebo-Gruppe rapide gegenseitig infizierten.


© carullamuehr /PIXELIO
Der Besitzer der Farm, auf der die Studie stattfand, war zunächst sehr skeptisch gegenüber einer homöopathischen Behandlung. Nach dem erfolgreichen Verlauf der Studie beschloss er, alle seine Schweine mit der  E.Coli-Nosode zu behandeln. Seither ist die E.Coli-Diarrhöe von seiner Farm so gut wie verschwunden.

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(1) Biological Farming Systems Group, Wageningen University, Droevendaalsesteeg 1, 6708 PB Wageningen, Holland
(2) Centaurea, Orderparkweg 5, 7312 EN Apeldoorn, Holland
(3) Biometris, Wageningen University, Droevendaalsesteeg 1, 6708 PB Wageningen, Holland
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(4) Offenbar wurde hier die Potenzenzierungamethode nach Korsakoff verwendet
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Link zum Original-Artikel

 




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