Herbert Pfeiffer, Farokh Master & Roberto Petrucci

Herbert Pfeiffer, Farokh Master und Roberto Petrucci

Kinderhomöopathie-Kongress 2009

27. Februar - 1. März 2009 in Badenweiler

Kurhaus in Badenweiler

Kurhaus Badenweiler

Drei Tage lang drehte sich bei diesem Zusammentreffen von über 300 Homöopathen und homöopathisch Interessierten aus mehreren Ländern alles um die Behandlung von Kindern.

Interessant wurde dieses Thema besonders durch den jeweiligen Blickwinkel der Vortragenden, die jeder eine andere Ausrichtung der Homöopathie und damit ihrer Herangehensweise und ihres Verständnisses von Arzneimittelfindung vertraten. Zur Bilderserie
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Den Auftakt bildete Dr. Herbert Pfeiffer, der über einen mehr als 30-jährigen Erfahrungsschatz mit Homöopathie in der Kinderheilkunde verfügt. Die zunehmende Anzahl von Infektanfälligkeiten, Atopien und Allergien sowie von Zentralen Koordinationsstörungen, ihre Ursachen und Behandlungsansätze waren Schwerpunkt seines Vortrages.

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Als Ursache für Koordinationsstörungen und ihre Auswirkungen auf das weitere Leben des Patienten nannte der Kinderarzt, dessen Fachgebiet im neurophysiologischen Bereich liegt, persistierende, d.h. im Laufe der Entwicklung fälschlich zurückgebliebene Reflexe. Das Beispiel von Rene Herms, einem 800m-Lauf-Meister und Olympiateilnehmer, der kürzlich tot aufgefunden wurde, machte die Konsequenzen deutlich: Eine Aufnahme nach einem Lauf zeigt den Sportler in immer noch hoher Anspannung. Seine Körperhaltung - eine Seite gebeugt, die andere gestreckt - entspricht dem Bild eines Asymmetrisch Tonischen Nacken-Reflexes. Dieser Reflex sollte eigentlich im Laufe der Kindheit integriert sein. Dies finde aber häufig nicht mehr statt. Die Folge: Sind Reflexe aktiv, bleibt der ganze Körper in Spannung, - der Patient ist nicht mehr fähig, Entspannung herbeizuführen. Beugeseite war diesem Fall die linke Seite, - ein Hinweis darauf, dass das Herz gefährdet sei, was letztlich auch die Todesursache - plötzliches Herzversagen aufgrund Herzmuskelentzündung durch Herpesviren - war. Fazit: Dauernde Spannung macht krank. „Als Homöopathen sollten wir auch diese Hinweise im Blick behalten.“ Mit einigen Beispielen, welcher Art diese Hinweise auf tonische Störungen sein können und einigen Möglichkeiten, dies in Repertoriumsrubriken zu übersetzen, rundete er dieses Thema ab.

Dr Herbert Pfeiffer

Dr. Herbert Pfeiffer

Zu Infektanfälligkeit und Atopien/Allergien erläuterte Dr. Pfeiffer zunächst ebenfalls die medizinischen Grundlagen, warf einen kurzen Blick auf die Miasmen und erwähnte einige allgemeine Repertoriumsrubriken für diese Erkrankungen. Exemplarisch griff er aus diesen Rubriken in seiner Praxis bewährte Arzneimittel heraus, die er besonders betrachtete – so z.B. Lycopodium als Mittel für Überforderungen, - wenn Kinder recht früh in den Kindergarten kommen und dort von der Situation einfach überfordert sind. Seiner Auffassung nach reiche ein ähnliches Mittel zur Behandlung aus, weshalb er grundsätzlich nur den Begriff „Simile“ und nicht „Similimum“ gebraucht.

Zuletzt legte er Gedanken zum Thema Impfungen dar. So wurde in der Monitor-Sendung vom 19.2.09  der Nutzen der HPV-Impfung in Frage gestellt. Vor diesem Hintergrund und mit Zitaten von J.C. Burnett hinterfragte er, ob man als Arzt Impfungen wirklich verantworten kann, wenn nicht gesichert ist, ob sie einen Gesunden nicht krank machen. Er selbst hat für sich schon lange die Entscheidung gegen Impfungen getroffen.

Den zweiten Kongress-Tag füllte Dr. Farokh Master auf seine höflich-fröhliche, indische Art. Mit tiefer psychologischer Kenntnis führte er seinen Zuhörern sehr humorvoll die Auswirkungen von unterbewusster Übertragung z.B. von Emotionen (Hass, Wut, Trauer) der Eltern auf das Kind vor Augen.

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Seine Ausführungen zu Bedeutung bzw. Symbolik hinter Gesten, Träumen, Lieblingsspielsachen  (Superman oder Stofflöwe…) oder Lieblingsmärchen, - wie sich hier beispielsweise das Fehlen der Nähe der Mutter oder des Vaters im Verhalten des Kindes ausdrücken kann, war für die Teilnehmer sehr eindrücklich. Sicher werden Fragen in dieser Richtung zukünftig in die Anamnese vieler Kongressteilnehmer aufgenommen werden. 

Dr Farokh Master

Dr. Farokh Master

In diesen ausgewählten Fällen kamen hauptsächlich Nosoden zum Einsatz. Bei einem Asthma-Fall war zunächst das Akutmittel Cina angezeigt. Hier mahnte Dr. Master nachdrücklich, nicht zu lange bei einem Akutmittel zu bleiben, da es den Fall nicht komplett heilen, sondern evtl. sogar wieder verschlechtern könne. Ein tief wirkendes Konstitutionsmittel müsse hier den Fall lösen und dann könne evtl. noch einmal das Akutmittel benötigt werden. Anhand dieser „Fall-Aufhänger“ gab er, basierend auf seinen persönlichen Erfahrungen, eine kurze Mittelbeschreibung von Medorrhinum, Carcinosinum und Tuberculinum Koch. Auch hier floss die Bedeutung von  Träumen in das Bild mit ein. Eine Traum-Rubrik von Carcinosinum ist: Träume - Suchen - jemandem; nach - ohne ihn zu finden; und.  Wir suchen nur etwas, dass wir nicht haben oder verloren haben – welche Charakteristik für Carcinosinum!

Auf die Frage „Ich habe gelernt, dass man Nosoden nicht als erstes Mittel geben soll – warum haben Sie das hier gemacht?“ gab Dr. Master zurück: „Wenn das Mittel passt, ist es egal ob es eine Nosode ist. Man muss immer das passendste Mittel geben…“

Tenor der Aussagen von Dr. Roberto Petrucci aus Italien am dritten und damit letzten Tag war: Homöopathie ist dynamisch – der Weg zu einem Mittel ist egal - Hauptsache, das Similimum, - in seinem Verständnis das passende Mittel, in passender Potenz, passender Quantität und passender Häufigkeit -, wird gefunden.

~video(05344_Sehprobe_Petrucci.flv;Sehprobe Dr. Petrucci)~

Mit einigen Fallbeispielen erläuterte er seine Ansichten zur Mittelfindung, die einmal ganz klassisch, im nächsten Fall an homöopathischen Familien orientiert und in einem weiteren Fall durch den Umstand, dass dieses Kind niemals ohne einen Löwen aus dem Spielwarengeschäft gehen konnte und außerdem ein Symptom zeigte, dass Lac leoninum als einziges Mittel hatte, geleitet war. Der Fall bestimmt den Weg! Nach seiner Erkenntnis gibt es keine großen Mittel, die die sogenannten kleinen Mittel übertreffen. Das Wichtigste sei die Totalität, nicht immer sei ein Gemütssymptom am wichtigsten – es hänge alles von dem speziellen Fall ab. Eine weitere wichtige Komponente aus seiner Sicht sei die Potenz. Wenn ein Mittel wirkt, die Krankheit kommt aber wieder zurück, wäre eine höhere Potenz notwendig. Ergibt sich keine Besserung, so habe man sich die Frage zu stellen, was zu wechseln sei: die Menge, die Häufigkeit oder die Potenz - oder alle drei – erst ganz zuletzt das Mittel…

Dr Roberto Petrucci

Dr. Roberto Petrucci

Zum Thema Hyperaktive Kinder (ADS) stellte Dr. Petrucci Mittel vor, die sich in seiner Praxis neben den häufig angewendeten, bekannten Mitteln Tarentula, Belladonna, Stramonium und Tuberculinum als nützlich erwiesen haben: Gallicum acidum, ein Mittel, das evtl. zur Anwendung kommen kann, wenn die Symptome sich entwickelt haben, nachdem die Mutter nach der Geburt wieder arbeiten geht – d.h. durch Trennung von der engsten Bezugsperson; das „Orkanmittel“ Arsenicum iodatum, das nach einer Konsultation die Praxis als „Trümmerfeld“ hinterlässt; Ictodes foetida, das asthmatische Beschwerden durch Staub hat und das übergewichtige Saccharum officinale…

Es folgte die Vorstellung seines kürzlich erschienenen Repertoriums „Kinder“, das zur Erleichterung der Auffindung die Repertoriumsrubriken in folgende 20 Konzepte einteilt: Familiäre und persönliche Krankengeschichte; Entwicklung; Zahnung; Impfung; Stillen; Infektionskrankheiten; Konstitution; Beziehung zur Familie; Beziehung zu anderen; Schule; Spielen; Beziehungen zu Tieren; Nonverbales; Beobachtungen in der Nacht; Schaukeln und Getragenwerden; Autos und Schiffe; Psychosomatische Störungen; Körperliche Symptome und Erkrankungen; Chirurgisch pathologische Zustände; Würmer. - Weitere Anwendungsmöglichkeiten des Petrucci-Repertoriums seien: der Gebrauch als „Pfad“, dem man bei der Anamnese einfach folgen kann, - auf eine weniger langweilige Art, das Repertorium zu studieren und die Option, Rubriken zu Gruppen zusammenzufassen, so dass keine Mittel durch das Übersehen einer Rubrik verloren gingen … Zum Abschluss des Kongresses äußerte Dr. Petrucci seine Gedanken zur Logik der Verschreibung. Sind Komplementärmittel wirklich eine Ergänzung oder war nicht viel mehr das erste Mittel nicht ganz korrekt gewählt, so dass erst das „komplementäre“, besser passende Mittel die Heilung herbeiführt? - Die Totalität ist das Wichtigste!

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Autorin: Silke Burzlaff. Weitere Eindrücke vom Kongress

 



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