Die Farben in der Homöopathie

Farben in der Homöopathie

Die Farbvorliebe als homöopathisches Symptom

Von Ulrich Welte

Wir haben fast alle eine gewisse Vorliebe für eine oder mehrere Farben. Das kann sich zum Beispiel in der Kleidung oder in Gegenständen des täglichen Gebrauchs zeigen. Die Farbvorliebe kann aber auch tiefer gehen. Wenn sie ohne gegenständlichen Bezug an sich als wohltuend oder schön empfunden wird, so ist sie ein Ausdruck der inneren Verfassung. Spätestens dann ist sie homöopathisch verwertbar. In diesem Sinne kann man sie als Grundstimmung der Lebenskraft betrachten, die sich als geistige Neigung zu einer Farbe kundgibt. Sie ist ein individuelles und tiefes Symptom der Person.


HV Müller

H.V. Müller

Entdeckung und Entwicklung

Dr. H.V. Müller aus Köln (1921 – 2000) entdeckte die homöopathische Bedeutung der Farbvorliebe um 1985. Dieser geniale homöopathische Arzt entwickelte die neue Idee zusammen mit seiner etwas späteren zweiten Entdeckung, der homöopathischen Auswertung der Handschrift, im Alleingang zu erstaunlicher Reife.

Die erste Anregung kam von einem Coniumpatienten, der in der Dunkelheit Erleichterung fand. Dieses Coniumsymptom charakterisiert die meisten Vertreter der botanischen Familie der Apiaceae. In diesem Zusammenhang erwähnte der Mann von sich aus, dass schwarz seine Lieblingsfarbe sei.

Darauf überprüfte Müller andere Coniumpatienten und fand diese Farbvorliebe bestätigt. So wurde die Idee ausgerechnet durch eine Farbe geboren, die eigentlich eine Negation aller Farben ist.

Um wissenschaftlich arbeiten zu können, brauchte er einen allgemeingültigen Farbstandard, der eine genügend differenzierte und genaue Farbbestimmung ermöglichte. Er wählte das „Taschenlexikon der Farben“ von Kornerup und Wanscher, das 1981 in seiner letzten Auflage erschien und schon lange nicht mehr verfügbar ist. Damit begann er systematisch bei jedem Patienten die Farbvorliebe zu definieren. Er fand heraus, dass viele Patienten, die mit derselben Arznei geheilt wurden, genau die gleiche Farbvorliebe hatten, und zwar zu einem Genauigkeitsgrad, der oft ein und dasselbe Farbfeld aus 1266 Farbnuancen traf.

Die Idee gefiel uns sofort, doch definierte er in seinem ersten Buch nur 26 Mittel mit ihrer zugehörigen Farbvorliebe. Die Hälfte davon waren kleine und eher selten indizierte Mittel. Also wollten wir selbst weitere Mittel farblich definieren. Der Versuch schlug gründlich fehl. Die Farbvorlieben unserer Patienten, die auf dasselbe Mittel gut angesprochen hatten, waren alle anders, und wir begannen am Wert der Methode trotz einiger anfänglicher erfolgreicher Verschreibungen zu zweifeln.

Farbkreis

Zur Klärung suchten wir Müller in seiner Praxis auf, und er zeigte uns, wie man die Farbvorliebe finden kann. Das ist nicht immer so einfach wie man meinen könnte. Ferner gab er uns eine Liste von ca. 90 Mitteln mit, die er inzwischen farblich definiert hatte. Diese Zahl war genügend groß, um differenzierter arbeiten zu können.

Unsere Verschreibungsgenauigkeit mit Hilfe der Farbvorliebe wurde besser. Wir begannen, mit Müller enger zu kooperieren und konnten bald auch eigene Mitteldefinitionen beisteuern.

Wir entwickelten neue Farbtabellen, weil das alte Buch, das nicht für homöopathische Zwecke konzipiert war, einige Mängel aufwies. Als er unsere selbst entwickelten Werkzeuge wie z.B. den neuen Farbkreis sah, bat er uns 1993, einen neuen Farbstandard mit neuen Farbtafeln speziell für homöopathische Zwecke herauszubringen. Doch bis zur Verwirklichung dieser Idee vergingen 10 Jahre, und es ist nicht zuletzt auch Jan Scholten zu verdanken, dass das Buch schließlich herauskam. Er war es, der uns immer wieder darauf ansprach, das Buch trotz aller Widerstände herauszubringen. Auch im Entwicklungsprozess begleitete er das Werk und gab uns viele wertvolle Vorschläge. Unsere Freude über seine Mitarbeit begleitet das Buch.

Ulrich  Welte Farben in der Homöopathie

Farbtafeln
"Farben in der Homöopathie"

 

Der neue Farbstandard 'Farben in der Homöopathie' erscheint

2003 erschien zum ersten Mal der Farbatlas Farben in der Homöopathie. Inzwischen ist das Werk in fünf Sprachen erhältlich. Die Farbvorlieben (und –abneigungen) sind im Lauf der Jahre zu einem wertvollen zusätzlichen Symptom der homöopathischen Materia Medica geworden. Das Farbrepertorium wird weltweit mit Erfolg eingesetzt und unabhängig von verschiedenen Schulen und Richtungen als zusätzliche Information zur Mittelwahl herangezogen.

 


Durch die internationale Zusammenarbeit kompetenter Homöopathen ist die Zahl der farbdefinierten Mittel deutlich gewachsen. H.V. Müller hinterließ uns im Jahr 2000 einen Grundstock von 460 Mitteln, der inzwischen auf ca. 1100 angewachsen ist, zweimal so viele wie zur Zeit der ersten Auflage des Farbenbuchs. Sehr erfreulich ist die hohe Zahl unabhängiger Bestätigungen der Farbdefinition. Viele Homöopathen berichten, dass sie durch das Farbsymptom zur erfolgreichen Verordnung „kleiner“ Mittel angeregt wurden, an die sie sonst nicht gedacht hätten. Durch diese Beiträge konnten auch einige Änderungen oder Ergänzungen bisheriger Farbzuordnungen vorgenommen werden.

Eine stetig wachsende Liste der Farbbeziehungen wird im Internet frei zur Verfügung gestellt. Sie wird häufig aktualisiert und kann von jedem Nutzer ausgedruckt werden, so dass man das Farbrepertorium immer auf neuestem Stand halten kann.

 



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